Kultur : Biografisches Weihnachtsrätsel

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Für die damalige Zeit war ihr Vater ungemein tolerant. Er ließ seiner ältesten Tochter nicht nur die Freiheit, sich in einem bis dato von Männern dominierten Beruf zu verwirklichen. Er unterstützte sie auch, zog mit der kompletten Familie in die Hauptstadt um, um sie die Kunstschule besuchen zu lassen. Doch als sie seine hohen Erwartungen enttäuschte und die Wahnvorstellungen immer stärker von ihr Besitz ergriffen, wandte er sich von ihr ab. Nur einer hielt unverbrüchlich zu ihr: ihr jüngerer Bruder. Obwohl der Schriftsteller und Diplomat manchmal darunter gelitten hatte, wie viel mehr Aufmerksamkeit seiner Schwester entgegengebracht wurde, vergötterte und verteidigte er sie auch dann noch, als ihr die Kontrolle über ihr Leben entglitt. Ihre blauen Augen hielt er sogar literarisch fest. Doch vor ihrem tragischen Ende konnte selbst er sie nicht bewahren: Nur wenige Tage nach dem Tod des Vaters ließ ihre Mutter sie in eine psychiatrische Anstalt einweisen. Dort verbrachte sie, von der Welt vergessen, ihren langen letzten Lebensabschnitt. Der ganz große Erfolg blieb Zeit ihres Lebens aus, auch deshalb, weil sie 1906 in einem Anflug von Raserei einen Großteil ihrer Kunstwerke zerstört hatte. Eine posthume Würdigung wurde ihr aber 1984 zuteil: Eine Ausstellung in der Stadt ihres Schaffens rief der Nachwelt wieder in Erinnerung, wie mutig und einzigartig diese geniale Künstlerin gewesen war.

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