Kultur : Biografisches Weihnachtsrätsel

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Er war ein Mann des 19. Jahrhunderts und obwohl es längst Druckereien gab, begann seine Zeitung mit einem Schreibmaschinenblatt und einigen Durchschlägen, die eiligst von jungen Boten an die Abonnenten gebracht wurden. Diese versprachen sich von den Zahlen auf den Blättern hohe finanzielle Vorteile. Ohne zwei Partner, von denen einer immer mitgenannt wird, wenn sein Name auch heute noch täglich erwähnt wird, wäre er wohl nie so wichtig geworden. Einer seiner Partner hatte Geld, das war das Wichtigste, der andere hatte rote Haare und war cholerisch, na ja, durchsetzungsfähig, das war auch ein bisschen wichtig. Er selbst war von eher ruhiger Natur und so hatte er die Muße, kühlen Kopfes die Drehscheibe des Kapitalismus zu studieren. Diese Drehscheibe versah er mit einigen zusätzlichen Zahnrädchen. Seine Hauptbeschäftigung war, jeden Tag Kurse als Punkte auf einem Blatt aufzumalen und diese Punkte durch Striche miteinander zu verbinden. Dieses Vorgehen hat er zwar nicht erfunden, aber er war der Erste, der das systematisch tat. Vor allem kam er auf die etwas seltsam anmutende, aber gleichwohl bahnbrechende Idee, Kurse mehrerer Unternehmen zu addieren und gleich wieder zu teilen. Eine Serie von Artikeln, die er schrieb, wurde später von der Wissenschaft entdeckt, die daraus eine Theorie formulierte und nach ihm benannte. Seine Definition langfristiger Trends kann bis heute helfen, Gewinne zu sichern und Verluste zu vermeiden – wenn die Anleger bloß nicht so undiszipliniert und gierig wären. Nie hätte er wohl zu denken gewagt, dass einige Leute später einmal unter anderem auf Basis seiner Grundüberlegungen ihre Computer programmieren und so in einer Kettenreaktion Crashs verstärken würden.

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