Kultur : Biografisches Weihnachtsrätsel

-

Besonders Pferde muss sie geliebt haben. Wieder und wieder hat sie nach ihnen Skulpturen geschaffen, hatte auch nach ersten Erfolgen nichts eiligeres zu tun, als sich ein Pferd zu kaufen, auf dem sie morgendliche Ausritte durch den mitten in ihrer Stadt gelegenen Park unternahm. Ihr berühmtestes Werk allerdings stellt ein Tier dar, auf dem man besser nicht zu reiten versucht. Geboren wurde sie in einem Jahr, als in ihrem Land drei Herrscher einander ablösten, allerdings kam sie erst im nächsten Jahrhundert in die Hauptstadt, die zum Mittelpunkt ihres Lebens und Schaffens wurde. Die Ausbildung, die sie dort an einer renommierten Kunstschule begann, war den Eltern nicht geheuer, nur gegen deren Willen konnte sie diese fortsetzen. Erste Erfolge stellten sich bald ein, so eine Ausstellung bei einer avantgardistischen Künstlervereinigung. Besonders in den Jahren, die man in ihrer Wahlheimatstadt noch immer die Goldenen nennt, hatte sie ihre größten künstlerischen Erfolge, mit Tierplastiken, aber auch Darstellungen des Menschen. Mittlerweile mit einem Kollegen verheiratet, schien nach Ausstellungen im Ausland und der Berufung an eine berühmte Akademie eine glänzende Laufbahn vor ihr zu liegen, die ein Wechsel in der politischen Führung ihres Landes jäh unterbrach. Plötzlich war ihre Kunst, wie auch die vieler anderer Kollegen, verpönt, sie musste die Akademie verlassen, wurde erst nach erneutem Wechsel der politischen Verhältnisse rehabilitiert, durch Wiederaufnahme in die Akademie und andere hohe Ehrungen. In der Stadt ihrer Erfolge, in der sie mit 77 Jahren starb, erinnert eine Gedenktafel an ihre letzte Wohnung, es gibt einen nach ihr benannten Platz – und ein jährliches Festival, dessen Preisfigur auf eine ihrer Tierskulpturen zurückgeht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben