Kultur : Bizarre Wahl

Stimmen zum Preis für Harold Pinter

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Elfriede Jelinek, Literaturnobelpreisträgerin 2004:

„Gratuliere ihm und der Akademie! Noch ein Linker! Und ein wunderbarer Dramatiker dazu.“

Jürgen Flimm, Theatermacher:

„Wieder eine überraschend ungewöhnliche Entscheidung. Dass Harold Pinter, der auch ein Meister der Verrätselung auf dem Theater war, nun diesen wunderbaren Preis bekommt, ist auch eine Absage an den platten Realismus, der manche Bühne überfüllt.“

George Tabori, Dramatiker:

„Ich bin Pinter in der Frühzeit in London begegnet. Wegen seines Namens fragte ich ihn: ,Bist du eigentlich Ungar?’ Es hieß, er spiele mit seiner damaligen Frau merkwürdige Spiele. Sie schloss die Tür ab, und er sollte trotzdem eindringen. Das war wie in seinen tollen ersten Stücken.“

Moritz Rinke, Autor:

„Für die Dramatik ist das sehr schön, ich freue mich darüber. Pinter ist ein so fantasievoller, die Dinge verrückender, spielerischer und dennoch lebensnaher Schriftsteller – ein absurder Realist, wie ihn, glaube ich, Ivan Nagel bezeichnete. Er hat sein ganzes Leben für die Bühne und für ein Schauspielertheater geschrieben. Ich weiß nicht, wie er das ausgehalten hat. Vielleicht, weil das britische oder das europäische Theater noch einen anderen Begriff vom Drama hat. Pinters jüngere politischen Äußerungen, besonders seine Kritik am UN-Prozess gegen Milosevic, verstehe ich allerdings bis heute nicht.“

Denis Scheck, Literaturkritiker:

„Eine Beleidigung der Weltliteratur. Man sollte sich überlegen, ob man den Preis nicht in ,Auszeichnung für fahrendes Volk und Theater’ umbenennt.“

Marcel Reich-Ranicki,

Literaturkritiker:

„Eine gute, eine richtige Entscheidung. Pinters Arbeiten charakterisieren die Darstellung des Alltags einsamer Individuen und das Bild der Bedrohung dieser Individuen durch mysteriöse Mächte.“

Sigrid Löffler, Literaturkritikerin:

„Eine bizarre Wahl. Er wäre nicht im Entferntesten meine Wahl gewesen, abgesehen davon, dass er démodé ist.“ Tsp/dpa

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