Kultur : Björn Dahlem

Daniel Völzke

Willkommen in Onkel Heideggers Hütte am Rand der Zeit! Ein bisschen zugig sieht er aus, der Unterstand, der vor dem existentiellen Geworfensein schützen soll. Björn Dahlem, Berliner Künstler und Leser philosophischer Bücher, hat aus Holz, japanischem Pergament, Leuchtstoffröhren und spärlichen Einrichtungsgegenständen die „Seinshütte (Grüne Aue)“ in der Galerie Guido W. Baudach aufgebaut.

„Psyche“ prangt in Frakturschrift auf dem Dach wie auf einem Gasthaus. In Dahlems Installation zwischen japanischem Teehaus und Skihütte hätten Zen-Buddhisten und der kalauernde Philosoph Martin Heidegger gleichermaßen Platz. Hinter dieser Arbeit schiebt sich durch den großzügigen Galerieraum wie eine Drohung eine zweite Holzkonstruktion: deckenhohe, ineinander verhakte Polyeder, deren Außenkanten mit Neonlampen bestückt sind.

„Milchstraße“ nennt Dahlem dieses stellar leuchtende Gerüst. Aber man könnte auch anstatt an Natur an moderne Technik denken, die Heidegger „Gestell“ nannte und gar nicht mochte, weil sie den Zugang zur Erkenntnis verstellt. So öffnet Dahlems Metapher vom Ausgesetztsein mit wenigen und einfachen Materialien gleich mehrere Dimensionen.

„Seinhütte (Grüne Aue)“ ist der ideale Ort, um über letzte Fragen nachzudenken (bis 9. Juni, Oudenarder Straße 16, Preise zwischen 40 000 und 60 000 Euro).

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