Kultur : BKA: Haffner hat nicht geschwindelt

Das Bundeskriminalamt hat keine Anhaltspunkte für die These, dass Sebastian Haffners Bestseller "Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914-1933" nach 1939 entstanden ist. In einem Gutachten heißt es, die Untersuchung des Originalmanuskripts habe keinen Hinweis auf eine Niederschrift nach 1939 ergeben. Gleichzeitig stellt das BKA fest, dass über den tatsächlichen Zeitpunkt für die Erststellung der Dokumente keine Aussage getroffen werde. Der Historiker Henning Köhler und der Kunsthistoriker Jürgen Paul hatten Zweifel an dem Entstehungsjahr 1939 für das Manuskript angemeldet: Haffner habe später nachträglich Reflexionen eingefügt. Daraufhin hatte die Deutsche Verlagsanstalt (DVA) das BKA mit einer kiminaltechnischen Analyse des Original-Typoskripts beauftragt. Untersucht werden sollte, ob das Papier und die benutzte Schreibmaschine tatsächlich aus den 30er Jahren stammen. Die Untersuchung habe ergeben, dass das Papier "aus einer Produktion vor 1941" stamme, heißt es in dem BKA-Gutachten. Das Wasserzeichen werde bereits 1936 erwähnt. Der Text sei mit zwei Schreibmaschinen verfasst worden, deren Schrifttypen seit 1928 beziehungsweise 1929 hergestellt wurden. Außerdem gebe es keine Auffälligkeiten, die auf Änderung oder Einfügen von Text hindeuten. Die handschriftlichen Korrekturen seien dem Anschein nach zeitnah zur Maschinenschrift entstanden. Haffners "Geschichte eines Deutschen", die er 1939 geschrieben haben soll, war im vergangenen Herbst erschienen und schnell zum Bestseller avanciert. Der 1999 gestorbene Journalist schildert darin die katastrophale gesellschaftspolitische Entwicklung in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg und die damalige Stimmung in Deutschland. Rezensenten hatten die Zeitanalyse Haffners als brillant und geradezu hellsichtig gefeiert.

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