Kultur : "Black History Month" - Filmfestival im Eiszeit

Jan Gympel

Wir wollen ja nichts gegen Tribalismus sagen oder gegen die Genese der eigenen Identität aus der Zugehörigkeit zu irgendeiner Minderheit. Aber: Könnte nicht selbst das interessierte Publikum etwas überfordert werden, wenn sich an das gerade zu Ende gegangene Festival "Black International Cinema" heute schon das Filmprogramm zum "Black History Month" anschließt? Allein, der thematische Schwerpunkt ist durchaus verlagert.

Und so dürfte ein Besuch der Vorstellungen im Eiszeit-Kino allemal lohnenswert sein, wo bis Mittwoch jeweils nachmittags ein Kinderfilm und um 19 Uhr ein Erwachsenenprogramm läuft. Dem diesjährigen Veranstaltungsmotto "Intermingling Stories - Verbundene Geschichte(n)" entsprechend drehen sich die Streifen nicht nur um Geschichte, Kultur und Politik Afrikas, sondern auch um das Dasein und die Historie von Schwarzen in Deutschland und nicht zuletzt von schwarzen Deutschen. So etwa "Hoffnung im Herzen", das Portrait der ghanaisch-deutschen Dichterin, Wissenschaftlerin und Politaktivistin May Ayim, die sich 1996 mit 36 Jahren das Leben nahm; oder der ebenfalls halbstündige und am Sonntag zu sehende Spielfilm "Falsche Soldaten" über zwei junge Afrikaner in Berlin, die glauben, bessere Chancen bei den Frauen zu haben, wenn sie sich als US-amerikanische Soldaten ausgeben. Sehr viel schmerzlicher sind die Identitätsprobleme von June Cross, die in "Secret Daughter" ihre Kindheit verarbeitet, welche sich zwischen ihren schwarzen Adoptiveltern in Atlantic City und ihrer leiblichen, weißen Mutter aus dem Milieu des kalifornischen Showgeschäfts abspielte - die Mutter hatte die Tochter weggegeben, als diese "zu schwarz wurde" (Sonnabend). Um afrikanische Kultur und Legenden kreist der senegalesische Spielfilm "Mossane" (Montag), derweil "Next Friday", eine Komödie von und mit Rapstar Ice Cube, leichtere Unterhaltung bietet (morgen).

Größtenteils Bekanntes und Bewährtes bietet das Kinderprogramm, so den abenteuerlichen "Sirga - Die Löwin" (heute und Dienstag, 14.30 Uhr), den nicht minder märchenhaften Zeichentrickfilm "Kiriku und die Zauberin" (morgen und Mittwoch zur gleichen Zeit), den halbdokumentarischen "Bando und der goldene Fußball" (Sonnabend) oder den noch realistischeren Film "Yaaba" über das Wachsen einer Freundschaft in einem Dorf (Sonntag).

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