Kultur : Blätter fallen

Jazz Fest Berlin: Hommage an die Tänzerin Mata Hari

Maxi Sickert

Berlin 1914. Ein sanfter meditativer Anfang wie von Erik Satie, der den Regen liebte. Die schimmernde Melancholie eines Novembertags. Berlin 1914 ist eine Komposition des amerikanischen Pianisten Wayne Horvitz über die Tänzerin Mata Hari, die einige Zeit in Berlin lebte. In der Seitenbühne des Jazz Fests trat Horvitz jetzt mit einer ungewöhnlichen Besetzung auf: einem kammermusikalischen Ensemble aus Klavier, Trompete, Cello und Fagott. Ungewöhnlich auch für Horvitz selbst, der vom Noise kommt und zuletzt mit düsteren elektronischen Synthesizerklängen experimentierte.

Horvitz hörte die Cellistin Peggy Lee und die Fagottistin Sara Schoenbeck zuerst bei einem Festival für zeitgenössische improvisierte Musik in Vancouver; Jazz-Trompeter Ron Miles war schon länger sein Wunschkandidat für ein gemeinsames Projekt. Auf der 2006 erschienenen CD „Way Out East“ funktioniert das sehr gut. Zerbrechliche Improvisationen, gedehnt auf bis zu zehn Minuten Länge. Mit melodisch ungewöhnlichen Soli, wie dem lyrischen Kunstwerk von Ron Miles auf „Berlin 1914“, zwei Minuten Schönheit, für die sich das Album bereits lohnt.

Leider konnten Wayne Horvitz und sein Gravitas Quartett die hochgesteckte Erwartung nicht erfüllen. Seltsam haltlos mäanderten die Solisten nebeneinander ohne zu einer gemeinsamen Dynamik zu finden. Als die ersten Töne von „Berlin 1914“ kamen, blieb Ron Miles im Hintergrund. Draußen hatte sich der Novemberhimmel verdunkelt. Blätter fallen. Maxi Sickert

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