Blechschaden in der Philharmonie : Gut geknarzt

Musik und Humor verschlingen sich zur Liebesgeschichte: Das Blechbläserensembles "Blechschaden" macht Spaß, aber trotzdem musikalisch keine Kompromisse.

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Gute gelaunt. Die Musiker von Blechschaden
Gute gelaunt. Die Musiker von BlechschadenFoto: Blechschaden

So einen Blechschaden wünscht sich wohl jeder. In den Neujahrskonzerten des gleichnamigen Ensembles aus München verschlingen sich Musik und Humor mit schöner Regelmäßigkeit zur zweistündigen Liebesgeschichte. Was in erster Linie an Bob Ross liegt, der so viel mehr als nur Dirigent ist, nämlich Moderator, Kabarettist und Erzähler wirklich guter Geschichten. Wie die von dem Sänger an der Bayerischen Staatsoper, der damit prahlte, als Hauptmann in Strauss’ „Salome“ nach zehn Minuten tot zu sein und dann wieder das WM-Spiel Deutschland gegen Frankreich gucken zu können.

Woraufhin ihn seine Kollegen, nachdem er sich librettogemäß umgebracht hatte, nicht wegtrugen, sondern bis zum Ende der Oper am Orchestergraben liegen ließen. Wer hat behauptet, in den schönen Künsten ginge es weniger bösartig zu als im Rest der Welt? Der Schotte Ross („Ich bin Lowländer, kein Highländer“) hat schon von seiner Statur her was Hofnärrisches. Wie bei Gayle Tufts purzeln bei ihm die Sprachen durcheinander, zur blauen bayrischen Flagge hat er über sein Pult in der Philharmonie noch das Schottenkreuz drapiert.

Keine Kompromisse

Seit 1979 ist Ross Hornist bei den Münchner Philharmonikern. Wer glaubt, dass das lang ist: Solo-Schlagzeuger Arnold Riedhammer ist seit 1974 dabei. Als Einziger darf er eine andere Klangfarbe ins reine Blechbläserensemble bringen. Das Schlagwerk ist ihm nicht genug, er trommelt auf Pulte, Mikrofone, schließlich den Parkettboden – und singt in einem Song von Elvis Presley, und das ziemlich gut. Gerade in den Solos dürfen Instrumente brillieren, die man sonst nie so exponiert hört. Etwa der 24-jährige Michael Schwarzfischer und seine bei aller sympathischen Knarzigkeit schlank-betörende Tuba mit vollem Alphorn-Timbre in der irischen Volksmelodie „Londonderry Air“. Das Repertoire: Jazz, Musical („Jesus Christ Superstar“), Pop, Schumanns „Fröhlicher Landmann“ und viel Barock.

Musikalisch machen Blechschaden bei allen Späßen keine Kompromisse. Die schnell ins Ländlerische abdrehende Version von Pachelbels Kanon ist ein Wunder an Klarheit und Präzision. Und gerade als man sich wundert, dass Bob Ross die große Gelegenheit eines Brexit-Witzes auslässt, kommt er doch. Weil die Schotten natürlich in der EU bleiben wollen. Einzig möglicher musikalischer Kommentar: Andrea Bocellis „Time To Say Goodbye“.

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