Kultur : Blinde Kinder in Tibet: Zu Besuch bei den Nomaden

Stephanie Von Selchow

Es ist kalt, die hölzernen Sättel sind hart und der Weg in Tashis Heimatdorf hoch in den Bergen Tibets ist lang. "Erzähl mir deine Geschichte", fordert die Lehrerin den blinden Jungen auf. Und Tashi erzählt: Wie der Dorfdämon ihm die Augen stahl, wie er zum besten Geschichtenerzähler im Dorf wurde, wie er von der Schule für blinde Kinder in Lhasa erfuhr, und wie die Nomaden ihn dorthin brachten. "Tashis Welt" ist ein ungewöhnlich schönes Sachbuch für Kinder.

Großformatige Farbfotos zeigen die überwältigende Natur Tibets, die Gesichter und Trachten der Nomaden. Viel erfährt man hier über Politik, Religion und Alltag, und die neue Schule für blinde Kinder in Lhasa, die Sabriye Tenberken gegründet hat.

Sabriye Tenberken ist beeindruckend: Selbst seit ihrem zwölften Lebensjahr blind, entwickelte sie an der Universität Bonn die tibetische Blindenschrift. Sie reiste durch Tibet, wo blinde Kinder oft einfach ausgesetzt werden, und gründete mit nur 28 Jahren ihr Blinden-Zentrum in Lhasa. "Blinde leiden nicht", sagt sie. "Sie leben nicht schlechter als Sehende nur anders. Mitleid verbitte ich mir. Das ist entwürdigend und schwächt."

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