Kultur : Blondes Glück

Ein Herz für Nerz: Doris Days wird 80

Bodo Mrozek

Das Amerika der Sechzigerjahre war eine Welt, die Nachgeborene nur bestaunen konnten. Der wirtschaftliche Aufschwung jener Jahre setzte sich im Schwung fröhlich wippender Petticoats fort, die Expansion in Richtung Weltall verlängerte sich bis in die Heckflossen glänzender Automobile hinein, und das herrschende Reinheitsideal spiegelte sich im Perlweiß makelloser Zahnreihen, die in immer lachenden Gesichtern blitzten. Wenn es ein Frauengesicht gab, das diesen amerikanischen Traum perfekt spiegelte, dann das von Doris Day.

Als „landfrisch und apfelsüß“ beschrieb sie einmal ein Kritiker: ein Frauenbild von der Art, wie es heute allenfalls noch Präsidentengattinnen imitieren. „Das blonde Glück“, wie einer ihrer Filme hieß, kam 1924 als Doris Mary Ann von Kappelhoff in Cincinnati, Ohio, zur Welt – übrigens im selben Jahr, indem die Trockenhaube erfunden wurde. Ein Autounfall im Alter von 17 Jahren beendete die Tanzkarriere der Tochter eines deutschstämmigen Kirchenorganisten. Doris tourte mit Jazzbands und sang Standards wie „Sentimental Journey“ oder „Que Sera“. Weil nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem deutschen Namen kein Staat zu machen war, entlieh sie ihren Künstlernamen dem von ihr gesungenen Stück „Day by Day“.

In „Zaubernächte in Rio“ stand sie 1948 erstmals für Warner Bros. vor der Kamera, der deutsche Titel ihres dritten Filmes „Judy erobert Hollywood“ nahm auch ihre eigene Karriere vorweg. An der Seite von Frank Sinatra, James Garner, Gary Cooper oder Rod Taylor spielte sie die kühle, aber stets unschuldig wirkende Blonde, die fröhliche Hausfrau und patente Mutter („Der Mann in Mamis Bett“). Mit Rock Hudson bildete sie das Traumpaar der bürgerlichen Hollywood-Träume, aber ihre Amouren waren meist Romanzen mit Hindernissen.

Bald haftete dem stets gut gefönten Star das Image der ewigen Jungfrau an. Als Spionin wider Willen trug sie ein Spitzenhöschen („Caprice“), und es umwehte sie allenfalls der Hauch von Nerz. Nach dem Tode ihres Produzenten und Ehemannes Martin Melcher 1968 wandte sich Day vom Kino ab und moderierte eine nach ihr selbst benannte Fernsehshow. Ihr Engagement galt zunehmend der Tierwelt. Im kalifornischen Carmel lebt Doris Day heute mit Tieren und ihrem einzigen Sohn Terry Melcher und betreibt ein Hotel, das „Cypress Inn“. Spekulationen über eine frühere Affäre mit dem Filmstar Ronald Reagan wird sie nicht mehr bestätigen können, denn Gerüchten zufolge leidet Doris Day an der Alzheimerschen Krankheit. Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar