Kultur : Bloß kein Kopfschütteln

Jürgen Tietz

Ist man mit 44 wirklich noch jung? Beim Bund Deutscher Architekten (BDA) jedenfalls gilt diese Altergrenze, bis zu der man dem "Arbeitskreis junger Architektinnen und Architekten" angehört. Tatsächlich bauen in Deutschland die wenigsten Architekten ihre ersten Häuser unter eigenem Namen, bevor sie Ende Dreißig sind. Davor durchlaufen sie nach dem Studienabschluss eine längere Phase in möglichst renommierten Architekturbüros. Da der Name des Arbeitskreises allzu sperrig wirkt hat man sich für ein Buch mit Positionsbestimmung junger Architekten lieber der Abkürzung "AKJAA" bedient.

Das Ergebnis, das der Berliner Architekturkritiker, Mitautor und Tagesspiegel-Mitarbeiter Claus Käpplinger jetzt in Berlin vorstellte, ist keine der gängigen Hochglanzpublikationen. Vielmehr versteht sich das Buch als der lobenswerte Versuch, jungen Architekten ein Forum zu bieten, um erste Projekte zu zeigen und ihre Vorstellungen zu artikulieren. Nach Himmelsrichtungen sortiert, präsentiert das Buch eine große Spannbreite von Ansätzen aus ganz Deutschland. Manche sind eher konventionell, andere durchaus spannend. Dazu gehören auch die einiger Berliner Büros. Etwa das von Claus Anderhalten, der mit wenigen, aber wohldurchdachten Eingriffen jüngst aus dem alten Plenarsaal der Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt ein neues Konferenzzentrum geformt hat. Oder Gussmann und Valentin, die mit ihren Potsdamer Projekten überzeugen. Doch es fällt auf, dass man unter den im Buch versammelten Projekten kaum avantgardistische Ansätze findet. Stattdessen dominiert ein weitgehend am architektonischen Mainstream orientierter Pragmatismus, der das mögliche Kopfschütteln des Bauherrn bereits in den ersten Entwurf mit einzubeziehen scheint. Mehr Mut bei den jungen Architekten, aber vor allem auch mehr Offenheit bei ihren Auftraggebern - beides würde der Baukultur in Deutschland gut tun.

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