Kultur : „Bloß nicht immer dasselbe spielen“

In „Das Zickzackkind“ ist Burghart Klaußner ein Meisterdieb. Unsere Reporter wollen wissen: Hat die Rolle Spaß gemacht?

BURGHART KLAUSSNER: Rahma, Lilly, Justus, Bastian. Mensch, die Lehrer, wie merken die sich bloß die ganzen Namen – okay, ich bin bereit!

Rahma: Wenn Sie Brötchen holen und die Leute erkennen Sie, stört Sie das?

Nö, überhaupt nicht. Ich tu dann so, als sei nichts. Das Schönste ist, wenn Leute grüßen, aber nicht genau wissen, wo sie mich hintun sollen. Dann grüße ich zurück, und das macht es für sie noch schwieriger. Manche sagen dann: Haben wir uns nicht auf dem Kongress in Leverkusen gesehen?

Lilly: Ich hab gehört, dass Sie in vielen Filmen mit Kindern zusammengearbeitet haben. Mögen Sie das?

Also – ich hasse Kinder. (die Kinder lachen) Nee, mit Kindern spielen ist prima, für die ist Spielen ja ein Lebensmittel. Die meisten machen das ganz natürlich und gut. Sie können nur nicht ganz so lange durchhalten wie die Erwachsenen. So drei Stunden hintereinander schaffen sie das, und wenn sie bei der Sache sind, ist da gar kein Unterschied.

Justus: Warum, glauben Sie, haben Sie die Rolle als Felix Glick bekommen?

Weil ich erstens ein guter Schauspieler bin und weil die zweitens jemanden gesucht haben, der Holländisch spricht. Meine Frau ist Holländerin, deshalb spreche ich schon seit 30 Jahren Holländisch. Die suchten jemanden, der einen leichten Akzent hat, weil Felix Glick so ein Abenteurer ist, von dem man nicht genau weiß, wo er herkommt. Soll ich dir eine Geschichte dazu erzählen?

Justus: Ja.

Bei der letzten Berlinale sprach mich eine Frau an. Weil sie einen Akzent hatte, fragte ich sie auf Holländisch: Sind Sie Holländerin? Da ist sie in Ohnmacht gefallen. Es stellte sich heraus, dass die mich fragen wollten, ob ich die Rolle haben will – obwohl sie noch gar nicht wussten, dass ich Holländisch kann!

Bastian: Wem gehört der weiße Sportwagen in „Das Zickzackkind“?

Den hab ich, um ehrlich zu sein, wahrscheinlich geklaut. Ich bin ja ein Meisterdieb, und der Wagen steht da schon an der Bahnstrecke und wartet auf uns …

Bastian: … ich meine, in Wirklichkeit.

Ach so. Irgendjemandem, der Autos für Filme vermietet. Es gibt ja noch mehr Autos in dem Film, zum Beispiel den grünen VW Käfer, der dauernd kaputt war, das war ein Riesenproblem. Wir mussten immer anschieben.

Bastian: Ist die Pistole echt gewesen?

Die Pistole? Natürlich! (Kinder kichern) Das heißt – natürlich nicht. Wenn es wirklich mal einen echten Schuss braucht im Film, dann kommt ein Spezialist und macht das.

Rahma: Sie haben ja schon in vielen Filmen mitgespielt. Welcher hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

„Das Zickzackkind“ hat mir enormen Spaß gemacht. Ich wollte schon immer einen Schnurrbart haben, mich verkleiden, auf eine Lokomotive klettern. Ich habe den Film auf der Berlinale zum zweiten Mal gesehen. Das war ein tolles Publikum, ihr und die Erwachsenen, genau die richtige Mischung.

Bastian: Aus was besteht eigentlich der Blitz, den Felix Glick um den Hals trägt und immer am Tatort hinterlässt?

Der Blitz? Aus Messing. Also eigentlich aus Gold natürlich. Messing, verkleidet als Gold.

Lilly: Meine Eltern haben mir erzählt, dass Sie in „Das weiße Band“ einen sehr strengen Pastor spielen. Im „Zickzackkind“ sind Sie gar nicht streng. Fällt es Ihnen schwer, so verschiedene Rollen zu spielen?

Nö, das macht Spaß. Das ist ja der Sinn der ganzen Schauspielerei, nicht immer dasselbe zu spielen. Die beiden Rollen sind wirklich sehr unterschiedlich. Der Felix Glick mit seinem Blitz ist ein Großvater, der ist ja der Opa von Nono.

Bastian: Findet er irgendwann raus.

Genau. Das weiß er natürlich am Anfang nicht. Ich hab selber keinen Opa gehabt, weil meine Großväter schon vor meiner Geburt gestorben sind. Deshalb habe ich in Felix Glick alles Opamäßige reingetan, das ich mir gut vorstellen kann. Hat euch „Das Zickzackkind“ denn überhaupt gefallen?

Kinder: Ja! Auf jeden Fall, der ist cool.

Rahma: War „Das Zickzackkind“ der erste Kinderfilm, in dem Sie mitgespielt haben?

Lilly: Nein, „Das weiße Band“, da hatten Sie doch sieben Kinder.

Nee, das ist kein Kinderfilm. Einen hab ich mal gemacht, einen Kurzfilm. Das ist schon zwanzig Jahre her …

Kinder: Boah!

Ja, das ist wahnsinnig lange her, praktisch noch vor den Dinosauriern.

Lilly: Können Sie für uns mal die ganzen Filme aufzählen, in denen Sie gespielt haben?

Unmöglich. Das sind über 150. Also. „Der Mann von der Botschaft“, „Requiem“, dann „Adlon“ und … oh Gott, mein Gedächtnis ist ein Sieb. „23“! „Der Vorleser“! Was willst du denn eigentlich mal werden, Justus?

Justus: Journalist oder Rechtsanwalt.

Bastian: Und ich Professor!

Das wäre übrigens eine Rolle, die ich gern mal spielen würde: ein verrückter Professor.

Bastian: Dann fliegt das Labor in die Luft!

Oder die Brille fliegt vom Kopf, die Haare verbrennen … Aber am allerliebsten würde ich einen Film machen, in dem ich mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reise.

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