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Blues-Musiker Johnny Winter gestorben : Die Liebe zur knorrigen Wurzel

Der Blues-Musiker Johnny Winter ist tot. Er starb nachts in einem Hotelzimmer in Zürich. Auch mit 70 war er ständig unterwegs.

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Rastloser Virtuose. Sänger und Gitarrist Johnny Winter (1944–2014).
Rastloser Virtuose. Sänger und Gitarrist Johnny Winter (1944–2014).Foto: dpa

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli starb Johnny Winter in einem Züricher Hotelzimmer. Er teilt damit das Schicksal unzähliger Musiker, die bis zum Schluss immer noch unterwegs sind. Auf Tour. Rastlos. Bis zum einsamen Ende in einem Hotelzimmer. Der Blues-Musiker Johnny Winter war von Anfang an unterwegs, immer in Bewegung, von einem Ort zum nächsten, von einer Bühne zur anderen. Bis zum letzten Hotelzimmer.

Geboren am 23. Februar 1944 als John Dawson Winter III und aufgewachsen in Beaumont, Texas, entdeckte der Sohn eines Plantagenbesitzers schon in sehr jungen Jahren seine Liebe für die Musik des amerikanischen Südens. Und, nachdem er zunächst Klarinette gespielt hatte, auch für das Instrument, mit dem er es schließlich zu großer Könnerschaft und Ruhm bringen sollte: die elektrische Gitarre. Schon 1959 nahm er mit seinem jüngeren Bruder Edgar als Johnny & the Jammers eine erste Single auf und spielte überall, wo man auftreten konnte. Von Club zu Club, Bühne zu Bühne. Wobei er eine besondere Vorliebe für knorrig wurzeligen Blues-Rock entdeckte, den er dann sein Leben lang spielte. Durch einen Artikel des „Rolling Stone“ im Dezember 1968 wurden die Plattenfirmen auf ihn aufmerksam, er bekam einen Vertrag bei CBS, brachte eine ganze Reihe formidabler Alben heraus und wurde zusehends bekannter, auch durch seinen Auftritt beim Woodstock-Festival im August 1969.

In den Siebzigern warf ihn seine Heroinsucht aus der Bahn

Und reiste weiter von Konzert zu Konzert, zu rasant knalligen Auftritten mit seiner dampfend rhythmischen, elektrisierenden Gitarrentechnik. Im harten Anschlag mit dem Daumen der rechten Hand und einem kreischenden Bottleneck in der linken, sowie in seinem leicht knödeligem Gesangsstil, mischte er die schwarzen Vorbilder Elmore James, Muddy Waters, B. B. King und Bobby Bland mit Bob Dylan und den Stones.

In den Siebzigern warf ihn eine schwere Heroinsucht aus der Bahn. Es war eine Achterbahn. Zum Ende des Jahrzehnts erfüllte sich ein Traum, als er einige Alben seines Idols Muddy Waters produzierte und auch selber auf den Platten mitspielte. Mit einem rasanten Auftritt in der Sendung „Rockpalast“ wurde Winter 1979 in Deutschland populär und gewann unzählige neue Fans, die ihm stets treu blieben. Die ihn tapfer bejubelten, wenn er auch bei seinen letzten Konzerten in Berlin schwer angeschlagen und nur noch wie ein Schatten seiner selbst wirkte. Dieses Jahr hatte er noch unzählige Auftritte in seinem Tourkalender. Von Bühne zu Bühne. Von Stadt zu Stadt. Land zu Land. Doch traurigerweise hat er nun mit 70 vorzeitig ausgecheckt aus seinem letzten Hotel.

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