Kultur : Blüten in Beton

Zum Tod des US-Architekten Hugh Stubbins

Ulf Meyer

Hugh Stubbins, der Architekt der Berliner Kongresshalle, ist, wie jetzt erst bekannt wurde, am 5. Juli im Alter von 94 Jahren in Cambridge/Massachusetts gestorben. Geboren 1912 in Birmingham/Alabama als Sohn eines Schuhverkäufers, studierte Stubbins am Georgia Institute of Technology in Atlanta und später in Harvard, wo er Assistent von Walter Gropius war, dessen Nachfolger als Chef der Architekturabteilung der Graduate School of Design er 1953 wurde. Stubbins hat über 800 Gebäude in acht Ländern entworfen. Zu seinen berühmtesten Bauten zählen neben der Berliner Kongresshalle das Citicorp Center in Manhattan, die Reagan Presidential Library in Simi-Valley/Kalifornien und das höchste Hochhaus in Japan, der 60-stöckige Landmark Tower in Yokohama von 1993, Stubbins’ letzter ausgeführter Entwurf.

Das glatte, in glänzendem Aluminium verkleidete Citicorp-Building in New York mit dem markanten Pultdach von 1978 (entworfen zusammen mit Emery Roth & Sons) ist nach Ansicht des Architekturkritikers Paul Goldberger „das wichtigste Hochhaus der siebziger Jahre in New York – nicht nur wegen seiner eleganten und markanten Form, sondern auch weil sich seine Basis auf die Stadt einlässt“. Das 280 Meter hohe Riesenhochhaus steht auf Stützen über einer Kirche. Der öffentlich zugängliche Platz mit Läden und Restaurants wurde zum Modell für stadtfreundlichere Wolkenkratzer. Stubbins war jedoch kein reiner Modernist, wie die im spanischen Mission-Style gehaltene Reagan-Bibliothek in Kalifornien beweist.

Die ehemalige Kongresshalle am Rande des Tiergartens, seit 1989 das „Haus der Kulturen der Welt“, wurde 1957 als Beitrag der USA zur internationalen Bauausstellung errichtet und dem Land Berlin geschenkt. Es war das Gebäude, mit dem Stubbins internationale Beachtung erreichte. Die gewagte Spannbetonkonstruktion galt als Symbol der DeutschAmerikanischen Freundschaft – auch nachdem die Halle 1980 aus heiterem Himmel zusammenfiel und einen Journalisten unter sich begrub. Sie wurde wiederaufgebaut und 1987 erneut geöffnet. Momentan ist die Halle geschlossen – sie wird zu ihrem 50. Geburtstag im Jahr 2007 renoviert.

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