Kultur : Blumenthals Einwände

Jüdisches Museum: Senatsbericht ignoriertIn den seit Monaten andauernden Verhandlungen zwischen der Berliner Senatskulturverwaltung und dem Direktor des Jüdischen Museums, Michael Blumenthal, über die künftige Struktur seiner Institution ist es zu Irritation und Mißtönen gekommen.Am Dienstag meldete die Deutsche Presseangentur, der Senat habe auf der Basis seiner im März mit Blumenthal erreichten Einigung dem Parlament einen Bericht erstattet, in dem die Autonomie des Jüdischen Museums als "unselbstständige Stiftung", so auch seine wirtschaftliche Eigenverantwortung, bekräftigt werde.Am Mittwoch lag der Berichts-Text, den bis dahin weder der Museumsdirektor selbst noch das Abgeordnetenhaus erhalten hatte, dieser Zeitung vor.Auf Nachfrage verlautete aus dem Jüdischen Museum, dieser Text sei ein überholtes, altes Papier, das seinerzeit mit vielen "No"-Anmerkungen Blumenthals an den Senat zurückgegangen sei, das könne nicht der neue Bericht sein.Der Bericht aus der Kulturverwaltung stand an aufgrund einer Parlaments-Aufforderung vom November 1997.Damals war der Senat beauftragt worden, dem Jüdischen Museum möglichst viel Autonomie zu gewähren.Aus dem vorliegenden Text, der in etlichen Passagen Blumenthals Erläuterung zu der mit ihm erfolgten Einigung (Tsp 27.3.98) widerspricht, geht die Abgrenzung des Jüdischen vom Stadtmuseum nicht klar hervor.Die Verbindung beider Häuser wird jetzt "integratives Organisationsmodell" genannt.Der Absatz 3 lautet: "Jede Maßnahme (insbesondere jedes Rechtsgeschäft) von direkter oder indirekter, aktueller oder zu erwartender finanzieller Bedeutung bedarf der Mitzeichnung des Beauftragten für den Haushalt der Stiftung Stadtmuseum oder der einstimmigen Entscheidung des (Stiftungs-)Vorstandes."Am Donnerstag traf dieser vormals beanstandete, nun ohne Rücksprache als aktuelles Konsenspapier verschickte Text im Abgeordnetenhaus ein.Von Beratern Blumenthals und aus seiner Umgebung verlautete, der Direktor habe sich sehr geärgert, er sei "im Dreieck gesprungen".Staatssekretär von Pufendorfs Referent Schmidt-Ott erklärte den Versand des überholten Papiers mit einer drängenden Berichtspflicht gegenüber dem Abgeordnetenhaus.Dagegen ist von der SPD-Abgeordneten Rusta zu erfahren, daß diese Eile mitnichten notwendig gewesen sei.Senator Radunskis Pressesprecher Wallrabenstein wiederum sagte: "Wir sind immer in Zeitnot." Es gebe keinen Streit, nur bestimmte Menschen, die den Streit schüren.Sollte zwischen Radunski und Blumenthal, welcher seit gestern wieder in den USA weilt und Mitte Juni nach Berlin zurückkommt, doch ein Dissens existiert haben, sei dieser bereits im Gespräch ausgeräumt. MSC

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