Blur-Album "13" : TRIMM TRABB, 1999

Doch, zu einem Blur-Fan konnte man auch noch werden, als die Britpop-Chose schon vorbei war und Blur nicht mehr nach Blur klangen, gewissermaßen. Ich stand sowieso mehr auf der Oasis-Seite und hatte es gern etwas prolliger, muskulöser – bei Damon Albarn und seiner Band war mir zu deren Blütezeit zu viel bildungsbürgerliche Sensibilität, zu viel Hintersinn mit im Pop-Spiel, und davon hatte man ja nun die Schnauze voll (wer mit Britpop aus den achtziger Jahren sozialisiert wurde, mit Wimpistenbands wie Biff Bang Pow oder Felt, weiß, wovon ich rede)! Dann kam 1999 dieses disparate, erratische Blur-Album heraus, „13“. Albarn versuchte damit die Trennung von der Elastica-Sängerin Justine zu bewältigen. Das Album wird nach hinten, nach den Hits, immer besser, kaputter, seltsamer: In „Trailerpark“, Song 9, gibt es diese herrlich hingebrummelte Zeile „I lost my girl to The Rolling Stones“ (beleidigender geht es nicht!), und „Caramel“, Song 10, ist traurig, melodiös, aber auch purer Krautrock, psychedelische Rummelplatzmusik etc. Jetzt fällt alles auseinander, denkt man, bei Song 11, „Trimm Trabb“. Aber nein! Auf einmal perlt ein Piano, trötet und knödelt jemand Unverständliches aus dem Off. Ganz leise und sacht folgen dann Gitarre und Schlagzeug, Albarn singt so verweht und schmachtend, wie nur er das kann, die erste Strophe, und im Refrain unterstützt ihn dann jemand aus der Band: „I’ve got trimm trabb / Like the flash boys have /And I can’t go back / Let it flow, let it flow / I sleep alone I sleep alone“. Mehr braucht es nicht, um das Ende einer Beziehung zu beschreiben. Purer Realismus, der im Verlauf des Stückes noch rockt und krachig wird. Rock als Religion, siehe Oasis, führt nicht weit; Rock als Kurzzeitherapie ist ideal: Richtig gut und reif und alles wurde Damon Albarn erst mit „13“. Gerrit Bartels

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