Kultur : Blut und Blumen

Eleganter Thriller: Todd Robinsons „Lonely Hearts Killers“ – mit Salma Hayek und John Travolta

Daniela Sannwald

Ray Martin trägt einen weißen Leinenanzug, einen Panama, einen bleistiftdünnen Schnurrbart – und ein Toupet, aber das merken die Kriegerwitwen nicht, die der junge Mann über Zeitungsanzeigen in einschlägigen Blättern kennenlernt. Sie sind viel mehr angetan von seiner Höflichkeit, seinem elastischen Auftreten, seinen wohlgesetzten Worten und den Blumensträußen, die er aus Vasen in Hotellobbys klaut, was sie natürlich auch nicht bemerken. Als Hochstapler hat er immer einen Grund parat, warum er jetzt gerade kein Geld hat. Und die Damen zahlen.

In einer rasanten Montagesequenz wird Ray mit seiner Masche vorgestellt: Hut noch einmal zurechtgerückt, Blumen aus der Dekoration gerupft, prüfender Blick durch die Hotelhalle, künstlich atemloses Zueilen auf das herausgeputzte Opfer, erschöpftes In-den-Sessel-Sinken, vertrauliches Vorbeugen und dann die erste Lügengeschichte. Die Wiederholung, die serielle Montage ähnlicher Szenen bringt die Banalität dieses Mannes auf den Punkt.

Erst als er Martha trifft, die selber ein Gold-Digger ist, hat er seine Meisterin gefunden. Zusammen werden sie die Masche ausbauen und perfektionieren, als Bruder und Schwester mit einer rührseligen Geschichte über die Vergangenheit. Aber da ist Marthas Eifersucht; sie kann nicht ertragen, dass Ray vergnügt mit anderen Frauen flirtet.

Regisseur und Drehbuchautor Todd Robinson hat in den letzten 15 Jahren so ziemlich jeden denkbaren Beruf innerhalb der Filmbranche ausgeübt. Damit mag es auch zu tun haben, dass ihm mit „Lonely Hearts Killers“ ein handwerklich perfekter und dabei hochgradig stilisierter Film gelungen ist. Mit blassem Licht und pudrigen Farben, schicken Kostümen und aufwendigen Sets im Look der vierziger Jahre hat er einen kühlen Thriller inszeniert, in dem das Gauner- bald zum Mörderpärchen wird. Die Schauspieler, als Typen besetzt, brillieren dennoch bis in die Nebenrollen hinein.

Allen voran John Travolta: Schwerfällig, depressiv und beharrlich nimmt er die Spur des Verbrecherpaars auf, als noch keiner seiner Kollegen eine Mordserie vermutet. Sein Sidekick, gleichzeitig Off-Kommentator der Geschichte, ist James Gandolfini: Noch bulliger und kauziger als Travolta, nuschelt er kaum verständlich Zynismen, so wie die Film-Polizisten der Vierziger-Jahre-Krimis das eben tun. Und dann Salma Hayek als Martha: Sie ist die archetypische Femme fatale, die Männer ins Verderben stürzt, ohne dass sie es überhaupt merken: langes, schwarzes Haar, blutrot geschminkter Mund, hochgepresster Busen und Stöckelschuhe, kleine Handtäschchen – und Sonnenbrillen, über deren Rand sie brennende Blicke wirft. Ihr Partner Ray wird von Jared Leto gespielt, der etwas von einem mageren, nervösen Windhund hat und eigentlich schwach ist. Zu schwach für Martha jedenfalls.

Die kalte Eleganz der Inszenierung Robinsons und die elliptische Erzählweise lassen einen sogar das viele Blut ertragen und schließlich das breit ausgespielte Ende. Wie es geht? Sagen wir so: keine schöne Geschichte, nicht wirklich. Aber ein schöner Film.

Cinestar Hellersdorf, Colosseum und Zoo-Palast

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