Kultur : Blutbad im Konzerthaus

YOUNG EURO CLASSIC

Carsten Niemann

Sehen Sie? Man wird doch gleich aufmerksam, wenn jemand seine Titel oder Überschriften mit ein bisschen Blut schreibt. Was aber, wenn sich ein Stück wie Oliver Searles „My day of Carnage“ (Mein Tag des Blutbads), das am Sonntag vom National Youth Orchestra of Scotland bei young.euro.classic uraufgeführt wurde, dann nur als eine Studie in (gewollt) alltäglichem grauen Klanggewand entpuppt? Von dem man nicht viel mehr erinnert, als das simple pulsierende Schlussmotiv?

Hat man auf die Pauke gehauen, und sei es auch nur mit Worten, ist man als Künstler in der Pflicht. Ein wenig wirkungsvoller als der 25-jährige Searle ging die 1956 geborene Sally Beamish in ihrem Trompetenkonzert mit derlei Paukenschlägen um. Paukenschlag Nr.1: Der Name des Solisten Håkan Hardenberger. Dem Trompeter erlaubte sie mit kurz ausgesungenen vibrierenden Phrasen und leichten Spitzentönen, ihrem Konzert seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Paukenschlag Nr.2: Der Beginn des dritten Satzes, in dem die bemerkenswert gut qualifizierten jugendlichen Schlagzeuger unter anderem auf Autoteile eindroschen. Da sich ein so brachialer Effekt von allein zum Haupthema macht, hätten entweder mehr Teile des Werks nach Autoreifen riechen dürfen – oder die Provokation dezidierter zurückweisen können. Technisch durchaus souverän stellten Martyn Brabbins und sein Orchester schließlich eine 1917 entstandene, edwardianischen Geist atmende Konzertouvertüre von Cecil Coles sowie Elgars monumentale 2.Sinfonie vor. Noch zu arbeiten wäre allerdings an der Präzision der Satzanfänge sowie am Klangvolumen der Streicher im Piano.

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