Kultur : Blutbilder

Syrische Filme in der Berliner „Forum Factory“.

„Einheit, Freiheit, Revolution!“, skandiert eine Gruppe von syrischen Schulkindern, während sie in Reih und Glied zum täglichen Fahnenappell antreten. Plötzlich schwenkt die Kamera um, die Worte aber bleiben die gleichen – „Freiheit!“, „Revolution!“ rufen Demonstranten in den Straßen von Hama, einer Stadt im Zentrum Syriens. Der Film, der so kurz und doch so eindrücklich den Wandel in Syrien dokumentiert, wurde im Rahmen der Ausstellung „Kunststoff Syrien“ in der Berliner Galerie „Forum Factory“ gezeigt (siehe Tagesspiegel vom 10. August). Es ist einer von fünf Dokumentarfilmen, die hier liefen. Sie sind während der Kämpfe in Syrien entstanden. Und alle zeigen sie Bilder aus einem Land in Aufruhr, aus dem sonst kaum etwas herausdringt. Verwackelte Aufnahmen einer Revolution, die plötzlich abreißen, wenn der Kameramann losrennt. Man kann nur ahnen, vor was oder wem er flieht.

Manche der Bilder sind fast unerträglich, wie die Szenen aus dem Film „Smuggling 23 Minutes of Revolution“ von Amer Matar, die den brutalen Umgang der sogenannten Sicherheitskräfte mit den Demonstranten in Hama zeigen. Oder die letzte Aufnahme aus „I will cross tomorrow“, einem Film des 2011 in Homs getöteten Regisseurs Bassel Shehade. Als der Film plötzlich abreißt und das Bild nur noch ein Stück dreckiger Straße zeigt, ist klar: Der Scharfschütze hat Bassel Shehade erwischt. Aber so deutlich die Filme die Brutalität des Konfliktes dokumentieren, so deutlich zeigen sie auch die Hoffnung und den Mut derjenigen, die sich gegen das Regime auflehnen. Das Erstaunen der Menschen über ihren eigenen Mut ist der eigentliche rote Faden, der sich durch alle fünf Filme zieht. Davon erzählen auch die Fotografien in der Ausstellung. „Die Barriere der Angst ist gebrochen. Wir verschicken Nachrichten mit: Herzlichen Glückwunsch, sie ist gebrochen. Man musste nicht den ganzen Satz schreiben. Alle haben das verstanden“, erzählt ein Aktivist in einem Film, während er mit roter Farbe Schriftzüge auf ein Plakat pinselt. Und lacht. emy

Die Ausstellung „Kunststoff Syrien“ ist noch bis 18. August täglich von 10 bis 18 Uhr im „Forum Factory“, Besselstr. 13, zu sehen. Am heutigen Freitag findet um 20 Uhr ein Filmabend mit Kurzfilmen syrischer Filmemacher statt.

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