Kultur : Bodenturner

Charles Shyers Versuch eines „Alfie“-Remakes

jan Schulz-Ojala

Ist doch so: Frauen sind kleinhirnig und wollen bloß flachgelegt werden. Manche haben aber auch ’ne Meise, vor allem, wenn sie dauernd von Liebe quatschen. Bettwärmer sind sie, ist doch so. Und am wichtigsten: nie den Absprung verpassen. Denn was sieht schon noch nett aus, wenn man’s aus der Nähe betrachtet?

Ganz schön kalt, dieser Alfie. Ganz schön tiefgekühlt, was er da immerzu in die Kamera quatscht. Zieht mit wechselnden Jobs und Frauen durch London, heuert und feuert, und plötzlich hat er ein Kind am Hals. Aber hallo, wer wird da gleich zum Papa? Bloß weg hier, und den einstaubenden Riesenteddy der nächsten anderweitig verheirateten Frau und Mutter in den Arm werfen, der man gerade ein Kind hat wegmachen lassen. Bloß keine Scherereien, Leute, ist doch so.

Kann man schon von schwärmen, von diesem Swinging London, in dem nichts swingt als der Swing von Sonny Rollins. Und das Gruseln kriegen vor diesem Don Juan, der da ganz und gar nichts versteht, außer sich selbst natürlich. Meist aus halber Ferne guckt die Kamera auf dieses Insekt namens Alfie, registriert die Tonspur ihr dummdumpfes Summen. Eintagsliebe, das wär schon was für diese minihirnige Machodrohne, die da , tack tack tack, vors immerselbe Fenster fliegt.

Doch Vorsicht, hier geht es nicht um „Alfie“, den ziemlich perfekten Film von Lewis Gilbert, der dem jungen Michael Caine eine erste Oscar-Nominierung einbrachte. Sondern, knapp 40 Jahre später, um „Alfie“ von Charles Shyer, der den einschlägig bekannten Jude Law einmal mehr zum Kino-Womanizer macht. Dabei mag der Remake-Spezialist Shyer („Vater der Braut“, „Ein Zwilling kommt selten allein“) eigentlich keine Remakes, sagt er. Weil die Leute da immer gleich mit dem Original vergleichen. Naja, und weil der Vergleich dann oft zu Ungunsten des Remakes ausfällt, ist doch so.

Shyer also setzt Jude Law auf die Vespa und lässt ihn als ziemlich beknackten Londoner Alteuropäer durch New York rollern. Dabei quatscht auch er dauernd in die Kamera: geschätzt dreifacher Silbenschwall gegenüber Caine, aber null Substanz. Alfie jobbt diesmal als Stretch-Limo-Chauffeur und reißt dabei Frauen auf: eine frustrierte Gattin mit Tagesfreizeit (Jane Krakowski), eine guterhaltene Geschäftsmadam (Susan Sarandon) und die hübsche schwarze Freundin (Nia Long) seines schwarzen Kollegen (Omar Epps). Huch, da ist sie auch schon schwanger – und was, wenn das Baby nachher eher hellbraun bleibt?

Mal abwandlungsbedürftig, mal treu bis ins szenische und dialogische Detail häkelt Shyer seinen Gilbert nach, aber nichts funktioniert. Wohl aus Angst, die Story macht im libertär-postfeministischen Zeitalter keinen Effekt mehr, setzt er Effekte um Effekte obendrauf. Also nicht nur paar extra bestellte Mick-Jagger-Songs, sondern noch Musiksoße drüber. Also nicht nur Sprechen in die Kamera, sondern – für die ganz Blöden – ein Off-Kommentar. Und immer satt reingezoomt in ziemlich leere Gesichter. Und her mit einem Westentaschenphilosophen, der Alfie auf den rechten Weg bringt. Der sagt dann tränenblind: „Ich habe keinen Seelenfrieden. Und wenn du den nicht hast, dann hast du gar nichts.“

Richtig, gar nichts, das ist dieser neue „Alfie“. Sag’ ich doch und ist doch so.

In 17 Berliner Kinozentren; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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