BÖSE KOMÖDIEYasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ : Heimlich Hamster aussetzen

Sandra Luzina

Es fängt ganz harmlos an mit einer Schulhof-Keilerei von zwei elfjährigen Jungs. Bruno wurde dabei ein Zahn ausgeschlagen. Also treffen sich die Eltern, zwei soignierte Pariser Ehepaare, um ganz vernünftig über den Vorfall zu sprechen. Es fehlt freilich nicht viel, und Veronique und Michel, Annette und Alain liegen sich in den Haaren. Als Annette erst auf einen teuren Kunstbildband ihrer Gastgeberin kotzt und dann das Handy ihres dauertelefonierenden wichtigtuerischen Gatten in der Blumenvase versenkt, eskaliert das Versöhnungstreffen.

Yazmina Reza zeigt in ihrer bös-intelligenten Komödie „Der Gott des Gemetzels“, wie schmal der Grat zwischen Zivilisation und Barbarei ist. Der Disput bringt immer neue Gemeinheiten an den Tag: So hat Alain nicht nur heimlich den Hamster seiner Tochter ausgesetzt, sondern versucht zudem, die Schweinereien eines Pharmakonzerns zu vertuschen. Und die Männer verbünden sich am Ende gegen die Frauen und folgern John-Wayne-mäßig, dass auch Elfjährige ein Recht haben, sich zu prügeln. So entwickelt sich die Aussprache zur rasant-infamen Eheschlacht, die es durchaus mit Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ aufnehmen kann. Regisseur Jürgen Gosch hat die mit allerlei anthropologischen Reflexionen beladene Komödie mit leichter Hand inszeniert. Corinna Kirchhoff, Michael Maertens, Dörte Lyssewski und Tilo Nest geben ein grandioses Katastrophen-Quartett ab. Die Züricher Aufführung, die bereits beim diesjährigen Theatertreffen bejubelt wurde, gastiert nun für einige wenige Vorstellungen am Berliner Ensemble. Sandra Luzina

Berliner Ensemble, So 21.10., 20 Uhr (Premiere), Sa/So 3./4., 10./11.11., 20 Uhr, ab 5 €

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