Kultur : Böse und weniger böse

DANIELA SANNWALD

Doch, es gibt ein paar witzige Szenen in diesem Film, und zwar dann, wenn Axel Milberg und Sunnyi Melles auftreten: Sie, porzellanblaß und prätentiös, ist Aurelie, er, geckenhaft und gespreizt, ist Percy; zusammen bilden sie ein falsches Paar, das mal mit den Gangstern, mal mit der Polizei paktiert, wobei freilich noch nichts darüber gesagt sein soll, wer die wirklich Bösen sind. Milberg und Melles jedenfalls bewegen sich in extravaganter Garderobe durch bizarre Dekors und sprechen mit somnambuler Verzögerung absurde Dialoge. Ihnen dabei zuzusehen, ist ein ausgesprochenes Vergnügen.

Ansonsten ist "Long Hello and Short Goodbye" ziemlich mißlungen: Erzählt wird die Geschichte der Undercover-Polizistin Melody, die den soeben aus der Haft entlassenen Panzerknacker Ben dazu bringen soll, wieder straffällig zu werden. Und das nur, weil der Polizeichef, dem der Gangster einmal eine Frau weggeschnappt hat, Genugtuung will. Melody verliebt sich in Ben, läßt ihren Auftrag sausen und versucht stattdessen, ihren Vorgesetzten auszutricksen. All das endet erwartungsgemäß mit einer Menge Leichen.

Die sieht man gleich in der Titelsequenz des Films: zunächst einzeln, in sorgfältig arrangierten Posen, dann in einem Tableau, das durch seine üppige Künstlichkeit einen zumindest visuell anspruchsvollen Film anzukündigen scheint. Aber selbst wenn man gewillt ist, das unplausible Drehbuch zu ignorieren und sich auf die ästhetischen Aspekte des Films zu konzentrieren, wird man enttäuscht. Zu einfach nämlich ist die Farb- und Lichtdramaturgie, die den Bösen blau-graues Dunkel und den nicht ganz so Bösen fahl-gelbe Helligkeit zuordnet. Zu gestellt wirken die Einstellungen, die eigentlich Ausstellungen sind, denn jede einzelne ist nach Kriterien der Symmetrie und der farbliche Harmonie komponiert und bleibt gerade so lange stehen, wie man braucht, um sich dessen bewußt zu werden: Da paßt noch die rosa Zahnbürste zu Melodys Halsschmuck, da werden Garnelen vor rostroten Wänden verspeist, da agiert ein grauer Mann im blauen Dekor. Überbelichtete, grobkörnige Erinnerungssequenzen aus verschiedenen Perspektiven sollen die Vergangenheit erklären, lassen aber kaum eine räumliche, zeitliche oder personelle Orientierung zu und können den ohnehin nebulösen Plot eben nicht erhellen.

Und wo es Sunnyi Melles und Axel Milberg gelingt, die zumindest ambitionierte Ästhetik mit Würde und Grandezza in ihr stilisiertes Spiel einzubinden, scheitern alle anderen Darsteller kläglich. Die Protagonisten Ben und Melody - Marc Hosemann und Nicolette Krebitz - sagen mit gepreßten Stimmen pseudo-abgeklärte Sätze auf, vergessen jedoch, danach die Münder wieder zu schließen. Und Katja Riemann als Waffenhändlerin und Ex-Polizistin hat furchtbare Narben im Gesicht, eine schwarze Kurzhaarperücke auf dem Kopf und eine Schlange um den Hals, die gut zu ihrem schlammfarbenen Overall paßt. In solchem Outfit nicht zu übertreiben, scheint schwierig. Wenn auch nicht ganz so schwierig wie das, was Hannelore Hoger tun muß: Als dramaturgisch überflüssige Therapeutin betreut sie einen dramaturgisch überflüssigen Patienten. Sie rettet sich in Manierismen. Aber nur sich.

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