Kultur : Böser Geist Im Kino - ein massakriertes Märchen

Kerstin Decker

Er hat mal "Das Mädchen auf dem Besenstiel" gemacht. Und gab es je ein schöneres Kino-Märchen als "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"? Einer jener Filme, die ganze Tage zum Schweben bringen, und es sind doch nur - ein Prinz, eine Prinzessin, ein Pferd. Der Tscheche Vaclav Vorlicek brauchte nicht viel mehr.

Jetzt sehen wir wieder einen Prinz, eine Prinzessin und ein Pferd. Wir kennen die Märchen, wir wissen gleich Bescheid: Es ist die falsche Prinzessin! Und der falsche Prinz. Nein, nichts Böses über Tina Ruland ("Manta Manta") und Manou Lubowski ("Nur über meine Leiche"). Sie können nichts dafür, dass man sie genommen hat. Aber geriete nicht jede Waschmittelwerbung mit ihnen zur Risikoproduktion? Dazu zwei Gegenprinzen, ein alter König (Horst Buchholz), der Antiquitäten sammelt. Und Zauberei natürlich, nochmal für die Kinder: special effects. Diesmal braucht Vorlicek sehr viel. Vom Feuervogel aber, dieser rosa gefiederten Kreuzung aus Damenhut und Haubentaucher, wollen wir schweigen.

Und wissen es längst. Das hier ist eine Prüfung. In jedem Märchen muss der Held mindestens drei Prüfungen bestehen. Hier aber gibt es keine Helden außer denen, die sich diesen Film anschauen. Der Film testet, ob wir die Märchen noch verstehen.

Erste Prüfung. Vögel, die melancholische Monarchen heilen können, sehen natürlich ganz anders aus. Und was geschah jenem chinesischen König, der seine Nachtigall durch einen künstlichen Vogel ersetzen lassen wollte? Er brauchte ein ganzes Märchen lang, um seinen kleinen grauen Vogel wiederzukriegen. Vorlicek schafft nicht einmal das.

Zweitens. Wenn der böse Prinz die Prinzessin entführt, und der erste Hofrat ruft hinterher: "Er hat sie entführt!" (und immer so weiter), fragen wir uns anfangs: Welcher böse Geist massakriert so grausam ein Märchen, in dessen Produktion der FilmFernsehFonds Bayern immerhin vier Millionen Mark investiert hat? Aber dann erinnern wir uns, dass Abschreckung nie billig war. Beim Wettrüsten ist die ganze Sowjetunion untergegangen, hier nur ein Märchen.

Oder ist Vaclav Vorlicek selbst ein Opfer? Im Presseheft steht: "Prinz Afron (Manou Lubowski) geht ökologisch korrekt durchs das Leben ... und dank seiner Achtung vor der Natur kann er schließlich über das Böse triumphieren und sogar den Tod besiegen." Wer soll das verfilmen? Rettet die Märchen! Triumphiert über das Gute!Blauer Stern Pankow, Broadway, Eiszeit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben