Kultur : Böses Geld

Etaterhöhung – und Chaos an der Berliner Staatsoper

Versteht das noch einer? Die Staatsoper droht damit, drei von den sechs für die nächste Spielzeit geplanten Premieren „ersatzlos zu streichen oder konzertant aufzuführen“. Schuld sei die Opernstiftung, die bereits vom Berliner Abgeordnetenhaus genehmigte Finanzmittel blockiere, heißt es in der gestrigen Mitteilung. Die Vorstellung des Programms 2008/09 müsse auf Juni verschoben werden. Damit erreicht die Linden-Posse einen neuen Höhepunkt. Kürzlich hatte Staatsopernintendant Peter Mussbach im Kulturausschuss dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit „Mafiamethoden“ vorgeworfen – weil der Senat Mussbachs Vertrag (bis 2010) auslaufen lässt. Der geschäftsführende Direktor Georg Vierthaler wird das Haus bereits in Kürze verlassen.

Die Staatsoper ist offenbar nicht mehr voll handlungsfähig. Sie reibt sich im Streit um die zusätzlichen zehn Millionen Euro jährlich auf, die ihr vom Senat auf Druck der Bundesregierung zugesprochen worden sind. Staatskapelle und Opernbetrieb können sich nicht einigen, wie das Geld verteilt werden soll. Ein anderer Streitpunkt ist die Rücklagenbildung und Risikovorsorge für die Übergangszeit von 2010 bis 2014, in der das Staatsoperngebäude Unter den Linden renoviert und der Spielbetrieb ins SchillerTheater verlagert werden soll.

Am 7. Mai tagt der Stiftungsrat der Opernstiftung. Wenn bis dahin, so ist aus der Kulturverwaltung zu hören, ein zustimmungsfähiger Wirtschaftsplan der Staatsoper vorliege, würden die Mittel entsperrt. Den anderen Fall mag sich noch niemand ausmalen: dass die Führungskrise an der Staatsoper eskaliert und der Senat gezwungen wäre, einzugreifen und das Haus vor größerem Schaden zu bewahren. Kulturstaatssekretär André Schmitz hat allerdings im Krisenmanagement Erfahrung. Ende der neunziger Jahre zog er als Kommissarischer Intendant die Deutsche Oper aus dem Schlamassel. Damals ging es (auch) um Schulden, die sich in der Bismarckstraße angehäuft hatten. Bei der Staatsoper liegen die Dinge anders: Hier schafft eine erhebliche Etaterhöhung Unfrieden und Chaos. Ein stiller Skandal. R. S.

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