Kultur : Bohlens Bayreuth

Ein WAGNERWITZ von Frederik Hanssen

Ein

Da lacht der Grüne Hügel. Katharina Wagner bewirbt sich in einem Interview mit der Berliner Boulevardzeitung „B. Z.“ um einen Job bei Dieter Bohlens Castingshow. Ihr Urgroßvater hat schließlich das Format erfunden: Worum geht es denn beim „Tannhäuser“? Um einen Sängerkrieg! Und worauf steuern die „Meistersingern von Nürnberg“ stundenlang zu? Auf ein Wettsingen vor Live-Publikum! Sixtus Beckmesser und Dieter Bohlen, Brüder im Geiste.

Jedes Jahr könnten bei den Wagner- Festspielen acht mal mehr Tickets verkauft werden als zur Verfügung stehen. Wenn das keine Einschaltquote ist! Nur bei der Zielgruppe sieht die Klassik im Vergleich mit RTL ziemlich alt aus. Darum geht die 29-jährige Bayreuther Thronprätendentin in die Offensive: „Ich würde gerne selber mal bei ,Deutschland sucht den Superstar’ in der Jury sitzen.“ Das meint sie ganz ehrlich: Weil sie dann nämlich mal vormachen würde, wie die Show richtig funktionieren kann: „Ich wünsche mir produktivere Kritik statt Floskeln wie: ,Das hast du toll gemacht. Deine Stimme berührt mich so.’“

Das hat sie wirklich toll gemacht. Die Gralshüterin in spe outet sich nicht nur als Castingshow-Junkie, sondern auch als Rammstein–Fan – und erklärt ganz nebenbei, wie die „frischen Denker“ auszusehen haben, die sie sich fürs Musiktheater wünscht: „Sebastian Baumgarten ist ein charismatischer Typ, der im übrigen auch gut aussieht. Wieder ein Beispiel, dass ein Opernregisseur nicht verfettet und Alkoholiker sein muss.“ Diese Stimme dürfte so manchen Wagnerianer berühren. Und zwar peinlich.

Andererseits: Wenn es im Klassik-Business einen Mann gibt, der in Sachen Hemdsärmeligkeit und Verbalpotenz Dieter Bohlen das Wasser reichen kann, dann ist das wohl Katharinas Vater Wolfgang Wagner. Wie der knurrige Franke auf den legendären Festspiel- Pressekonferenzen die Medienvertreter anzukläffen pflegte, das hatte durchaus Popgiganten-Format. Im Gegensatz zu vielen sensiblen Zeitgenossen findet Katharina die krassen Kommentare von Diddää wohl auch nicht menschenverachtend. Härte im zwischenmenschlichen Umgang ist sie gewohnt.

Vielleicht lässt sich ihr weiser, greiser Vater ja von dem Boulevard-Interview inspirieren: Zu einer Damen-Spende, wie man sie aus den „Meistersingern“ kennt. Da gibt der Nürnberger Goldschmied Pogner demjenigen Sänger seine Tochter zur Frau, der die meisten Votings vom Publikum bekommt. Einen Plattenvertrag mit Dieter Bohlen als Preis – und dazu Katharina Wagner als Morgengabe, das wäre ein echter Straßenfeger. Die sechste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ soll ja bereits in Vorbereitung sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben