Kultur : Bohrungen

Die Manifesta macht im belgischen Genk Station.

Die Berlin Biennale hat den Sommer der Kunst eröffnet - zumindest was die hohen Temperaturen während der Vernissagentage, die Publikumserwartungen und die eigenen Ambitionen betrifft. Im Mai und Juni folgen weitere Großausstellungen zeitgenössischer Kunst Schlag auf Schlag. So eröffnet am 15. Mai in Hannover „Made in Germany II“ – ein Querschnitt jüngst in Deutschland produzierter Kunst – als Präludium zur Documenta, die am 8. Juni in Kassel beginnt. Vom anreisenden internationalen Publikum hofft auch die 9. Manifesta zu profitieren, die zuvor beginnt (2. 6. bis 30. 9.). Sie könnte sich zur Gegenveranstaltung der Berlin Biennale entwickeln, die durchweg schlechte Noten von der Kritik erhielt.

Auch die Manifesta versteht sich als politisch und findet alle zwei Jahre im Biennale-Rhythmus statt. Allerdings ist sie an keinen festen Ort gebunden, sondern vagabundiert durch Europa – überall dorthin, wo die Kunst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs über politische, ökonomische und soziale Veränderungen Erhellendes zutage fördern kann. Nach Stationen unter anderem in Luxemburg, Lubljana, Frankfurt am Main, Donostia-San Sebastián kehrt sie nun im belgischen Genk ein, wo sie im einstigen Kohleabbaugebiet Quartier bezieht. „The Deep of the Modern“ ist die Ausstellung überschrieben, die vom Kuratorentrio Cuauthémoc Medina, Katerina Gregos und Dawn Ades eingerichtet wird. In den Räumen einer stillgelegten Mine lässt sichdas Dilemma einer niedergegangenen Industrie und deren Folgen für eine Region darstellen.

Die Ausstellungsmacher haben nicht nur zeitgenössische Künstler eingeladen, sondern zeigen auch eine kunsthistorische Sektion und eine Abteilung, die sich dem kulturellen Erbe widmet. Auf diese Weise wird es zu ungewöhnlichen Nachbarschaften kommen: Aufnahmen der Bechers, die schon früh Fördertürme fotografierten, neben kleinen Kohle-Hügeln von Marcel Broodthaers, eine Frottage-Serie von Max Ernst neben Gemälden von Charles Demuth. Außerdem wird Jeremy Deller wie schon in San Sebastián wieder mit von der Partie sein, diesmal mit dem Film “The Battle of Orgreave“ über die Bergarbeiterstreiks von 1984/84. NK

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