Kultur : Bond, Jane Bond

Halle Berry, Oscar-Preisträgerin und Bond-Girl, über Arbeit, Rassismus, Sex – und die Lust zu schreiben

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Mit 18 war sie Miss Ohio, mit 21 hatte sie ihr TVDebüt in der Serie „Living Dolls“, mit 23 kam sie zum Spielfilm und in Spike Lees „Jungle Fever“, 2001 spielte sie die Kellnerin Leticia Musgrove in Marc Forsters Südstaatendrama „Monster’s Ball“, dieses Jahr holte sie dafür als erste schwarze Schauspielerin den Hauptrollen-Oscar: Halle Berry, geboren 1968 in Cleveland/Ohio als Tochter einer weißen Krankenschwester und eines schwarzen Alkoholikers, der die Familie früh verließ, hat steil Karriere gemacht – und in Hollywood alle Chancen der Welt. Zu ihren nächsten Projekten gehören der zweite Teil von „X-Men“ und ein Remake des Blaxploitation-Klassikers „Foxy Brown“.

Frau Berry, in Action-Filmen seien Frauen immer nur hübsches Beiwerk der Männer, haben Sie mal gesagt. Als Bond-Girl Jinx sind Sie nun offenbar genau das.

Keine Frage, Jinx ist sexy. Aber sie hat den gleichen Job wie Bond. Sie ist ein trainierter Spion. Sie hat physisch genau das zu bewältigen, was er auch können muss. Sie ist die stärkste Figur nach Bond. In einem Film, der ganz auf einen männlichen Helden zugeschnitten ist, wirkt so was besonders gut.

In Deutschland kennt man von Ihnen bislang nicht viel mehr als Marc Forsters „Monster’s Ball“. Wie passt der zu Bond?

Wie Tag und Nacht. Das sind zwei absolut unvergleichbare Sachen – der kleine soziale Film und der fürs Entertainment. Obwohl, unterhalten wollen wohl beide.

Gibt es einen Fortschritt vom einen zum anderen, von der 40 mal höheren Gage und der Massenwirkung mal abgesehen?

Sicher, in der Filmindustrie geht es heute extrem um Dollars und ums Geldverdienen. Aber für meine Karriere ist es auch aus anderen Gründen gut, in einem Big-Budget-Film dabei zu sein. Ein cleverer Schauspieler muss beides kombinieren:In kleinen Filmen kann er sich selbst fordern, der Rummel um die großen ist aber auch wichtig. Wenn die Leute deine Leistung nicht in einem Studiofilm kennen lernen, dann folgen sie dir auch nicht in einen kleinen Film. Ich will die Power entwickeln, dass ein kleiner Kunstfilm gemacht werden kann nur wegen meines Namens. Dafür will ich den Bond-Erfolg einsetzen.

Andererseits hat Ihre schwarze Kollegin Angela Bassett gesagt, auch in „Monster’s Ball“ seien Sie nur das Sexobjekt eines traurigen weißen Mann gewesen.

Ich selber will niemanden niedermachen. Wenn sie sich so fühlt, nur zu. Ich finde die Heldin von „Monster’s Ball“ viel komplexer. Ich sehe sie als starke Frau, als eine, die überleben will. Und die niemals aufgibt.

Im neuen Bond gehen Sie sogar als Siegerin durchs Ziel. Jinx tötet ihre weiße Gegenspielerin Miranda Frost und ruft: „Take that, bitch.“. Ein bisschen erinnert das an die Blaxploitation-Filme der 70er Jahre. Geht es hier auch um den Sieg von Schwarz über Weiß?

Nein, nur um einen Kampf zwischen zwei Frauen. Oder um das Gute gegen das Böse. Miranda Frost hätte bestimmt auch „Take that, bitch!“ gerufen, wenn sie den Kampf gewonnen hätte.

Sie kämpfen auch für das Gute, abseits dieses Films. Sie haben sogar mal von einer Mission gesprochen.

Meine Mission ist es, Gleichheit zu finden. Für Schwarze, also auch für mich selbst. Wenn ich irgendwann auf mein Leben zurückblicke, will ich sagen können, ich war ein Teil dieser Entwicklung.

Sind die Verhältnisse denn nicht schon besser geworden in den vergangenen Jahrzehnten, zumindest in Amerika?

Klar, ich lebe viel besser als meine Vorfahren. Aber solange der Rassismus nicht abgeschafft ist, ist die Mission nicht erfüllt. Und das dürfte sie bis an mein Lebensende leider nicht sein. Nunja, mal sehen, wie lange ich leben werde (lacht).

Immerhin sagen jetzt schon alle „afroamerikanisch“ statt „schwarz“. Ist das nicht politisch überkorrekt?

Ich bin mit dem Begriff „schwarz“ aufgewachsen. Meine Vorfahren mögen aus Afrika gewesen sein, ich bin aus Amerika. Ich nenne mich black america n. Aber ich bin nicht beleidigt, wenn ich african american oder afroamerican genannt werde.

Reden wir vom Ruhm. Wie lange macht ein Oscar glücklich?

Das ganze Leben lang.

Und in unglücklichen Momenten? Wer und was hilft Ihnen dann?

Dann stütze ich mich auf meine Familie und auf den Glauben. Ich bin nicht religiös, aber ich glaube sehr an eine höhere Kraft, nennen Sie sie, wie Sie wollen.

Stellen Sie sich vor: Von einem Tag auf den anderen könnten Sie nicht mehr als Schauspielerin arbeiten. Was wären Sie dann?

Eine Journalistin wahrscheinlich.Damit habe ich ja auch angefangen. Ich würde schreiben.

Zur Zeit geht ja alles in eine sehr andere Richtung. Seit der berühmten Sexszene aus „Monster’s Ball“ gelten Sie auch noch als Sexsymbol. Ein schmeichelhaftes Etikett?

Das schmeichelt mir schon. Aber ich sehe mich selbst nicht so. Dann würde ich ja mit einer komischen Last auf den Schultern rumlaufen. Ich bin auch nicht ganz sicher, was das eigentlich bedeuten soll: Sexsymbol. Was ich weiß, ist, dass ich im Lauf der Zeit eine Frau geworden bin, die sich sehr wohl fühlt mit ihrer Sexualität. Das ist viel mehr.

Das Gespräch führte Jan Schulz-Ojala.

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