Kultur : Bonne année!

Frisch gepresst: Neujahr in Wien mit Maitre Prêtre

Karin Erichsen

Das hat noch keiner gewagt, den Wiener Philharmonikern mit einer Trillerpfeife den Auftakt zu blasen! Georges Prêtre nimmt sich die Freiheit: bei der Sport- Polka von Johann Strauß Vater. Sie wird zum Weckruf in Richtung der österreichischen Nationalmannschaft – der ein EM-Titel 2008 sicher ist, sollte sie im Sommer nur annähernd die Qualität der Musikerkollegen beim diesjährigen Neujahrskonzert erreichen.

Unter den Händen des 83-jährigen Franzosen laufen die Wiener zu Höchstform auf, wie jetzt auf einer Decca-Doppel-CD nachzuhören ist. So luftig und elegant wie beim „Pariser Walzer“ oder der „Polka française“ ist die Spitzentruppe selten zu hören. Prêtre zelebriert das französische Repertoire von Strauß Vater und Sohn mit dem „Napoleon Marsch“, dem „Versailler Galopp“ oder der „Bluette“. Betont lyrisch und fast kammermusikalisch licht interpretiert Prêtre die Klassiker wie „Kaiserwalzer“ oder „Blaue Donau“, selbst die Märsche geraten eher tänzerisch als militärisch-zackig.

Nur selten lässt es Prêtre richtig krachen, wie bei der „Orpheus Quadrille“, Strauß’ Replik auf Offenbachs Salon-Feger. Da lebt die Silvesternacht mit knallenden Korken und schäumendem Champagner noch einmal auf. Daniel Barenboim wird es nicht leicht haben, dieses Neujahrskonzert am 1. Januar 2009 in Wien zu übertreffen. Karin Erichsen

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