Kultur : Bonus auf Bütten

Geld für Kunst und Immobilie: Die Bilder in der Ausstellung der UferHallen sind zugleich Aktien

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Foto: UferHallen
Foto: UferHallen

Eine dunkle Mondsichel, ein Sonnenfleck. Zarte Punkte und Schlieren fügen sich zur zeichenhaft malerischen Komposition, zu Konzeptkunst der sinnlichen Art. Klaus Weber animiert Bienenvölker zu bio-ästhetischen Experimenten. Im Frühjahr entledigen sich die Insekten ihrer in der Winterruhe angehäuften Exkremente. Beim „Reinigungsflug“ steuern sie instinktiv weiße Flächen an. Als solche legt der 1967 geborene Künstler Leinwände oder Papier aus und lässt fleißige Bienen „malen“.

Nur der spröde Text am Rand scheint so gar nicht zu dieser Poesie zu passen: „Der auf der Rückseite gelistete Aktionär ist im Nennbetrag von 1000 Euro an der UferHallen AG mit Sitz in Berlin nach Maßgabe ihrer Satzung beteiligt und als Inhaber der Aktie in das Aktienregister eingetragen.“

Das ist so ernst gemeint, wie es klingt und gehört zum Konzept der Ausstellung „Mit der Kunstaktie zur Publikumsgesellschaft“. 128 Künstler gestalten je 25 dieser Büttenpapiere. Von no names bis zu John Bock oder Monica Bonvicini, von Sven Drühl über den Realisten Matthias Koeppel bis zu Maria Eichhorn. Rund 100 Bleistiftzeichnungen und Aquarelle, Fotografien oder Druckgrafiken sind in der Schau versammelt. Identisch gerahmt und im Einheitsformat von 34 x 38 Zentimetern. Ansonsten sind der künstlerischen Freiheit keine Grenzen gesetzt. Was zu überbordender Fülle führt.

Doch der Zweck heiligt die Mischung. Mit der Aktion soll die UferHallen AG, Betreiberin des gleichnamigen Industriedenkmals, auf eine breite Basis gestellt werden, um die 38 000 Quadratmeter großen, früheren BVG-Reparaturwerkstätten der Bodenspekulation zu entziehen. „Wir wollen diesen Teufelskreis unterbrechen: Künstler beleben eine Problemgegend, werten sie auf und können eines Tages die Miete nicht mehr zahlen. Das ist doch pervers!“, sagt Hans-Martin Schmidt, der das Gelände Ende 2007 mit einem weiteren Investor für drei Millionen Euro erwarb und seither zu einem lebendigen Kulturstandort entwickelt.

Am heutigen Wert der Immobilie, der auf acht Millionen gestiegen ist – konservativ geschätzt, wie Schmidt betont – orientiert sich der Ausgabepreis: 2400 Euro pro Anteilsschein. Ein Modell, bei dem sich Kunst und Kapital auf für beide Seiten gewinnbringende Art treffen. Die ursprünglichen Finanziers erzielen eine Rendite von 140 Prozent, die Künstler – rund die Hälfte haben Ateliers in den UferHallen – profitieren von günstigen Mieten und langfristigen Verträgen.

Den Käufern werden die handelsüblichen Rechte eingeräumt: die anteilige Stimme bei der Aktionärsversammlung und eine moderate Rendite von drei bis fünf Prozent. Zudem winkt der künstlerische Mehrwert der insgesamt 3200 Aktien. Und weil dieser angesichts der heterogenen Namen und Qualität sehr unterschiedlich ausfällt, ist der Schnäppchenjagd auf Promis ein Riegel vorgeschoben. Egal wie viele Aktien man erwirbt: Von Künstlern wie Valérie Favre oder Katharina Grosse bekommt jeder nur ein Blatt. Ein Beispiel auch gegen Kunstspekulation. Michaela Nolte

UferHallen, Uferstr. 8–11, bis Ende Juni; Mi –So 13 –19 Uhr, Do 13 –21 Uhr.

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