Kultur : Botschaft ans Volk

ANDREAS KRIEGER

Karl Hyde lächelt.Und tausend Menschen lächeln zurück.Techno-Heads und Kunststudenten, Hardrocker und House-Kids - sie alle haben ein sattes Grinsen im Gesicht.Ursache für das kollektive Glücksgefühl: Underworld.Die Band, die alle lieben.Rick Smith und Darren Emerson stehen an den Mischpulten, als würden sie Tischkicker spielen.Konzentriert, aber fröhlich drehen sie hier an einem Schalter, drücken dort ein Knöpfchen.Sänger Karl Hyde dagegen gibt den Vorturner, macht Bauchtanz (Lektion 1: Der Hüftschwung), Schattenboxen oder den Hampelmann.Sein ganzer Körper zuckt, und man könnte glauben, daß die Töne, die seine beiden Kollegen durch Computer und Mischpulte jagen, nicht aus dem Boxentürmen, sondern aus seinen Fingern in die Columbiahalle flitzen.Die Rhythmen steigern sich schier endlos.Im Designer-Schlitten von Underworld gibt es drei Gaspedale, aber keine Bremse.Der Gipfel des einen Tracks ist die Talsohle des nächsten.Über den brummenden Beats sendet Hyde per Sprechgesang seinen Botschaften ans Volk.Als Drehbuch könnten Underworld glatt den Katalog der letzten "documenta" benutzt haben.Punkt, Punkt, Komma, Strich.Eine Spirale.Ein Wassertropfen.Tanzende Menschen und tanzende Buchstaben rauschen über die große Leinwand.Das hat Stil.Das ist bunt.Das leuchtet.Tausend zerkratzte Trommelfelle.Tausend fröhliche Fans.Underworld ist die Tanzkapelle fürs nächste Jahrtausend.Underworld macht glücklich.Sehr, sehr glücklich.

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