Kultur : Brachial-Bruckner

ULRICH AMLING

Wie schön, daß Michael Gielen sich als erster Gastdirigent an das Berliner Sinfonie-Orchester gebunden hat.Schön auch, daß er mit dem BSO bei den Festwochen den dritten Teil des "Gielen-Portraits" bestritt.Zur allgemeinen Freude gesellt sich eifriges Wollen des BSO: Bei Gielen-Konzerten ist die Konzentration besonders groß, wie auch das Bestreben der Musiker, den Vorstellungen des Dirigenten zu folgen.Allein, wo ein Wille ist, ebnet sich nicht gleich ein Weg.

So geriet das Programm mit Werken von Wolf, Schreker und Bruckner durchaus steinig.Hugo Wolfs expressiver Ballade "Der Feuerreiter" fehlte es an loderndem Feuer, die Streicher wirkten matt und glanzlos.Einzig die Flöten vermochten ein kleines Flämmchen zu entzünden, über dem fein die Frauenstimmen des Ernst-Senff-Chores schwebten.Ob man Franz Schreker wirklich einen Dienst damit erwies, das "Nachtstück" aus seiner Oper "Der Ferne Klang" ungekürzt zu spielen? Ohne den dramatischen Kontext der Oper verliert dieses introvertierte Stück deutlich an Attraktivität, zumal die Farben des Orchesters frischer hätten leuchten können.

So bruchstückhaft diese Vorspiele, so sehr verlangen Bruckners Symphonien nach dem großen Atem.Wer sich ins Detail verliebt, der hat schon verloren.Nun ist Michael Gielen ein echter Partitur-Analytiker, und sein Dirigat war von kühler pädagogischer Genauigkeit.Doch das hörbare Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück.Im ersten Satz von Bruckners 6.Symphonie nimmt Gielen die Anweisung "Maestoso" allzu ernst: Während die Streicher nur mühsam zu dynamischem Druck fanden, zerstörten schneidende Blechbläser den ersten Auftritt des Hauptthemas.Im von Bruckner "sehr feierlich" gewünschten Adagio fehlten Raum und Wärme zur Entfaltung der herrlichen Melodien.Die Rhythmuswechsel im Scherzo will man so zwingend organisch hören wie bei Günter Wand.Doch das BSO verschleppte Einsätze und verlor so an Überzeugungskraft.Bis zu einem geglückten Finale bleibt noch einiges zu tun.

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