Kultur : Brainpools

Drei geisteswissenschaftliche Zentren in Berlin eröffnetDie Geisteswissenschaften, bisher eher eine Domäne von Einzelkämpfern, holen auf: Auch sie dringen in die außeruniversitäre Forschungslandschaft und in die weite Welt der Teamarbeit vor - Domänen, die ganz überwiegend den Natur- und Sozialwissenschaften vorbehalten sind.Inzwischen gibt es in Berlin und den Neuen Bundesländern insgesamt sechs "Geisteswissenschaftliche Zentren", in denen Wissenschaftler, weitgehend unbelastet von Lehrverpflichtungen, im Team an übergreifenden Fragen forschen können.Am Mittwoch abend wurden - nach einer zweijährigen Gründungsphase - die drei Berliner Zentren im Festsaal der Akademie der Wissenschaften offiziell eröffnet.Es handelt sich um die Zentren für Literaturforschung, für Allgemeine Sprachwissenschaft, Typologie und Universalienforschung sowie das Zentrum Moderner Orient. Die Geisteswissenschaftlichen Zentren, die bereits Anfang 1996 gegründet wurden, haben sich aus Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR entwickelt - auf Empfehlung von höchster Stelle, des Wissenschaftsrats.Jedes Zentrum hat rund zwanzig Stellen für Wissenschaftler, die sich mit Forschungsprojekten zu Themen wie "Sprachwandel", "Der auktoriale Diskurs in vergleichender Sicht" oder "Islam und Globalisierung" beschäftigen.Mit den Geisteswissenschaftlichen Zentren werde eine Lücke in der deutschen Forschungspolitik geschlossen, sagte der Gründungsdirektor des literaturwissenschaftlichen Zentrums, Eberhard Lämmert, bei der Eröffnung."Der Hang zum Einzelgängertum und die allzu lange Enthaltsamkeit von effektiver Verbundforschung hat in den Kulturwissenschaften bis heute manche Arbeitsfelder unbestellt gelassen." Jedes Zentrum ist einer Berliner Universität zugeordnet, die Grundausstattung wird vom Land Berlin finanziert.Neben ihrer Tätigkeit in den Forschungsprojekten, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden, übernehmen die Wissenschaftler auch Lehrveranstaltungen an den Hochschulen.Nicht zuletzt deshalb habe sich das anfangs problematische Verhältnis zu den Universitäten "erstaunlich schnell normalisiert", so Lämmert.Während die Zentren für Literaturforschung und Sprachwissenschaft noch immer kommissarisch geleitet werden, hat das Zentrum Moderner Orient mit Ulrich Haarmann seit einigen Wochen einen Direktor.Zwei weitere Zentren - für Europäische Aufklärung und für Zeitgeschichte - sind in Potsdam angesiedelt, ein anderes befindet sich in Leipzig.(Ausführlicher Bericht folgt). D.N.

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