„Brand upon the Brain!“ : Das Inselgeheimnis

Kurios: Guy Maddins „Brand upon the Brain!“ Vor zwei Jahren schon live mit Orchester und Isabella Rossellini auf der Berlinale zu erleben - jetzt läuft der Film im Kreuzberg.

Sebastian Handke

Ein Geburtsmal in der Form Rumäniens. Die Nebelhörner der Keuschheit. Eine Herz-zu-Herz-Wiederbelebung und ein Untoter im Harfenkasten. In „Brand upon the Brain!“ spinnt Guy Maddins Vorstellungskraft wieder die herrlichsten Fäden. In seinen Psychodramen, traumartig und komisch zugleich, vermischt sich Erfundenes mit der eigenen Vergangenheit. Diesmal kehrt er Winnipeg, seiner von ihm schon so häufig mythologisierten Heimatstadt in Nordkanada, zwar den Rücken. Seine Hauptfigur aber heißt schlicht: Guy Maddin.

Guy wird von seiner Mutter nach Black Notch gerufen, auf die Insel seiner Jugend. Dort soll er den Leuchtturm neu streichen, der einst ein Waisenhaus war. Mutter Maddin (Gretchen Krich) führte ein strenges Regime in der Turmlaterne, der Lichtkegel ihr suchendes Auge. Und unten im Labor forscht Papa an der Substanz „Hirnnektar“. Haben deshalb alle Kinder Male an ihren Hinterköpfen?

„Brand upon the Brain!“ verbindet Melodram, Komödie, Märchen und Stummfilmexpressionismus zu psychosexuellen Traumturbulenzen. Der Film entfaltet eine narkotische Wirkung mit seinen schattierten Einzelvignetten, die da stottern und flackern, kürzer oft als eine Sekunde; doch es wäre kein Film von Guy Maddin, wenn dieser Fiebertraum nicht stets von sonderbarem Humor gebrochen würde, diesmal in den sarkastisch-melodramatischen Zwischentiteln. Und wieder greift Maddin ein anderes Genre auf: den Detektivfilm.

Denn die Ereignisse von Black Notch rufen Chance und Wendy Hale auf den Plan, zwei Jungdetektive von den „Lightbulb Kids“. Fest entschlossen, das Inselgeheimnis zu lüften, stoßen sie Guy und seine Schwester mit ihren „Kissing Gloves“ in den Strudel der ersten Liebe.

Vor zwei Jahren war „Brand upon the Brain!“ bereits auf der Berlinale zu erleben – an einem unvergesslichen Abend mit Orchester, Geräuschemacher und der Zeremonienmeisterin Isabella Rossellini. Nun also die Kinofassung mit Tonspur: eine wunderbare Gelegenheit zum Wiedersehen. Sebastian Handke

fsk am Oranienplatz

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