Kultur : Braune Peanuts

Eine

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WIRTSCHAFTSLEKTÜRE von Peter von Becker

Hilmar Kopper, bis 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank, ist als Aufsichtsratsvorsitzender von DaimlerChrysler auch heute noch ein prominenter Kopf der deutschen Wirtschaft. Die neue Ausgabe des „Stern“ druckt auf vier Seiten ein Gespräch mit Hilmar Kopper und seinem Sohn Christopher – nein, nicht über Heuschrecken, Ackermänner oder den Fall von Daimler-Chef Jürgen Schrempp. Es geht vielmehr um die Rolle der Deutschen Bank im Nationalsozialismus. Christopher (35) hat nämlich ein Buch über „Bankiers unterm Hakenkreuz“ geschrieben, und Vater Hilmar (70) wird von den „Stern“-Interviewern nach den Praktiken der Deutschen Bank bei der Ausraubung jüdischer Konten und Kunden ab 1933 gefragt.

Während der Bankierssohn und Historiker die Deutsche Bank als damals „schuldhaft verstrickt“ bezeichnet, wehrt der Ex-Bankchef Vorwürfe gegen seine Vorvorgänger durchweg ab. Die Provisionen bei so genannten „Arisierungs-Geschäften“ seien „nicht so bedeutend wie manchmal dargestellt“ gewesen. Man habe „auch in gewisser Weise Abwicklungsleistungen erbracht, indem zum Beispiel Käufer und Verkäufer zusammengeführt wurden“. Kopper nennt das „eine Art ,rassistischer’ M & A“, was das Magazin zu der Fußnote „Mergers & Acquisitions = Fusionen und Übernahmen“ veranlasst.

„Unrechtsbewusstsein“ oder „bösen Vorsatz“ streitet Kopper senior bei den einstigen Deutschbänkern im alten Korpsgeist ab. Es habe sich um „rein bürokratische“ Vorgänge auf Grund offizieller Gesetze gehandelt. Und: „Was damals geschehen ist, hat natürlich eine gewisse Tragik, weil es eine bestimmte Bevölkerungsgruppe betraf. Aber was ist der Unterschied von so einer staatlichen Anordnung zu dem, was wir jetzt gerade erlebt haben? In Deutschland hat der Staat ein Gesetz gemacht, das die Banken zwingt, ihn in die Konten der Bürger gucken zu lassen und das Bankgeheimnis zu verletzen.“ Selbst auf die Vorhaltung, dass die Bundesrepublik nicht die Absicht habe, die Inhaber solcher Konten zu ermorden, bleibt Kopper stur. Obwohl er „die beiden Vorgänge natürlich nicht moralisch vergleichen“ wolle, tut er es doch. Der betretene Sohn schweigt, der „Stern“ hakt nicht nach. Der Leser aber will seinen Augen nicht trauen.

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