Kultur : Braut und Rüben

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In einigen Regionen Chinas werden unverheiratet verstorbenen Männern in einer posthumen Trauungszeremonie Frauenleichen ins Grab beigelegt, um sie vor ewiger Einsamkeit zu bewahren. Zudem wird in Darkness Bride die Verpaarung der Lebenden wie vielerorts schon früh durch Brautkauf erledigt. So eine Kindsbraut ist Quing Hua. Insgeheim – und noch ganz unschuldig – praktizieren sie und ihr Gatte eine Menage à trois mit einem befreundeten Waisenjungen. Irgendwann bringen familiärer Druck und finanzielle Beklemmung das Trio dazu, sich in die Stadt abzusetzen, wo die noch unbekannten Gefährnisse einer neuen Zeit die Ländler bald unter die Räder kommen lassen.

Eine düstere und allzu glaubwürdige Geschichte aus dem Inneren des patriarchalen Protokapitalismus: Der junge Regisseur William Kwok Wai Lun aus Hongkong hat die Fabel, die sich von dunklen Steinhütten und kargen Berglandschaften in die ebenso düsteren Schlafquartiere städtischer Armenviertel bewegt, mit dem geschickten atmosphärischen Einsatz von Unschärfe und Licht so stimmig inszeniert, dass mit Sicherheit kein Funken AsienRomantik zurückbleibt. S.H.

Heute 22 Uhr (Delphi), morgen 17.30 Uhr (Babylon), Montag 15 Uhr (Arsenal), Dienstag 14.15. Uhr (Cinestar 8 )

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