Kultur : Brecht in Berlin: Campino spielt Mackie Messer

Brandauer inszeniert „Dreigroschenoper“

-

Die spektakulärste Inszenierung im Brecht-Jahr 2006 kommt in Berlin heraus: Am 11. August, drei Tage vor dem 50. Todestag des Dramatikers, hat im Admiralspalast die „Dreigroschenoper“ in der Regie von Klaus Maria Brandauer Premiere. Der ehemalige Vergnügungstempel am Bahnhof Friedrichstraße, der zuletzt das Metropol-Theater beherbergte, wird derzeit aufwändig saniert . „Wir wollen die Leute unterhalten“, kündigte der Regisseur gestern bei einer Pressekonferenz an. „Aber die Inszenierung wird nicht beim Kulinarischen stehen bleiben.“ Die Hauptrolle des Mackie Messer übernimmt Campino, Sänger der Rockband Die Toten Hosen und Schauspieldebütant. Als „charmanter Filou“ sei er ein idealer Räuberbanden-Anführer, versicherte Brandauer. In weiteren Rollen treten Gottfried John (Peachum), Katrin Sass (Mrs. Peachum), Volksbühnen-Star Birgit Minichmayr (Polly) und Burgschauspielerin Maria Happel (Jenny) auf. Musikalisch begleitet wird das Brecht/Weill-Stück vom Deutschen Filmorchester Babelsberg.

Produziert wird die Inszenierung vom Züricher Impresario Lukas Leuenberger, der schon ein „Speer“-Drama mit Brandauer in der Berliner Akademie der Künste realisierte und im Juli Schillers „Tell“ unter freiem Himmel auf dem Rütli spielen ließ. Weil er für die „Dreigroschenoper“ ohne Subventionen auskommen muss, hofft er während der zweimonatigen Spielzeit im August und September auf eine möglichst hohe Auslastung des 1600-Plätze-Theaters. Für trotzdem mögliche Ausfälle will der Sponsor Deutsche Bank gerade stehen. Brandauer möchte den Inhalt des Musicals „nicht antasten“, aber für „einen Zugang zu unserer Zeit“ sorgen. Schließlich habe es eine aktuelle Botschaft: „Wir müssen uns um die kümmern, die nicht im Licht stehen.“ Auch Barbara Brecht-Schell, Tochter des Dramatikers und berüchtigte Verwalterin seines Erbes, habe bereits ihre Begeisterung für das Projekt signalisiert. chs

0 Kommentare

Neuester Kommentar