Kultur : Brecht-Schüler Peter Palitzsch gestorben

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Der Regisseur und Intendant Peter Palitzsch ist am Sonnabend mit 86 Jahren gestorben. Er erlag in Havelberg (SachsenAnhalt) einem Lungenversagen. Mit Palitzschs Namen sind vor allem Inszenierungen am Berliner Ensemble sowie am Staatstheater in Stuttgart und den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main verbunden. Alle waren sie vom Geist der Aufklärung geprägt. „Die Brechtsche Maxime, dass das Theater die Welt verändern muss, hat Palitzsch nie aufgegeben“, betont das Berliner Ensemble in seinem Nachruf. Palitzsch gehörte zu jenen Theatermachern, die den politischen Aufbruch der 68er-Revolte nicht nur auf die Bühne, sondern auch in die Chefetagen der Theater trugen. Er praktizierte das Mitbestimmungsmodell so lange, bis es an der Realität zerbrach. Der am 11. September 1918 im schlesischen Deutmannsdorf geborene Palitzsch fing nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Kriegsdienst an der Volksbühne in Dresden als Dramaturg an, bevor ihn Brecht 1948 ans Berliner Ensemble holte. Zusammen mit Manfred Wekwerth war er dort für eine Reihe legendärer Inszenierungen verantwortlich wie etwa Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (1959). Nachdem er schon beim Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 in Konflikte mit der offiziellen DDR-Politik geraten war, siedelte Palitzsch nach dem Mauerbau 1961 in den Westen über. 1991 wurde er mit dem Theaterpreis Berlin für sein Wirken in beiden Teilen Deutschlands geehrt. 1992 kehrte er noch einmal ans BE zurück, wo er für kurze Zeit dem Leitungsteam mit Heiner Müller, Peter Zadek und Fritz Marquardt angehörte. In den letzten Jahren inszenierte er unter anderem Strindberg, Tschechow und Pinter in Zürich und Basel. (Nachruf folgt) dpa

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