Kultur : Breitwand-Malerei

Das populäre Werk singt und spielt sich keinesfalls von allein.Gerade deshalb machte es zunächst Eindruck, wie Christian Thielemann bei der Aufführung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms im Schauspielhaus, die Klaus Günzel, dem verstorbenen Künstlerischen Betriebsdirektor der Deutschen Oper Berlin, gewidmet war, mit gestalterischer Energie zu Werke ging.Was dem nicht selten in eine aufgesetzte Gefühligkeit abrutschenden Requiem weitgehend gut bekam.Da war nichts zu spüren von den nazarenerhaften, allzu weichen Momenten und leisen Liedertafelanklängen.Aber auf Dauer wirkte Thielemanns harsche Brahms-Interpretation zu eingleisig.Unter die Haut ging sie nicht.So gewannen schließlich die sehr differenzierten und subtilen Leistungen der Solisten die Oberhand.

Michaela Kaune sang die gefürchtete Sopranpartie mit wunderschöner Intensität, mit lyrisch schimmernder Zartheit.Wolfgang Schöne lotete die Bariton-Partie mit großer geistiger Aktivität und zeitnaher sängerischer Dynamik aus.Da versetzte es in innere Unruhe, wenn Schöne von der geheimnisvollen Verwandlung zur Zeit der letzten Posaune sang.Dabei kam viel von der Hintergründigkeit herüber, die Brahms seinem Requiem verliehen hat.In den gewaltigen Chor-Orchesterpartien kam sie leider kaum zum Tragen.Der mit bildkräftiger Deklamation hervortretende Chor wurde von Thielemann zu vokalen Kraftakten angespornt.Faszinierende Feinabstimmung fehlte sogleich dem Eingangschor.Thielemann geriet häufig in theatralisches Auftrumpfen ("Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?").Da dominierte monströse Breitwand-Malerei ohne tiefere Bedeutung.Vor allem die wuchtigen Fugen wären noch klarer zu wünschen gewesen.Das unlängst erst bei Strauss ausgezeichnet musizierende Orchester der Deutschen Oper spielte auch in seinem 2.Sinfoniekonzert Brahms mit Virtuosität und Farbkraft.Auch Thielemann hatte bei "Die Frau ohne Schatten" eine seiner bislang besten dirigentischen Leistungen abgeliefert.An die knüpfte er nun nicht an.

ECKART SCHWINGER

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