Kultur : Breker sehen und wählen

Nicola Kuhn plädiert für die Schweriner Ausstellung – trotz NPD

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Sechs Abgeordnete der NPD sitzen nun im Landtag von MecklenburgVorpommern; 7,3 Prozent der Wähler gaben in dem Flächenstaat ihre Stimme den Rechtsextremisten. Ist das Land also doch noch nicht so weit für eine kritische Auseinandersetzung mit Arno Breker? War die bislang von über 25 000 Menschen besuchte Ausstellung im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus am Ende folgenreich für die Landtagswahl? Wohl kaum. Trotzdem befindet sich die erstmals in einem öffentlichen Haus gezeigte Schau mit Werken von Hitlers Lieblingsbildhauer, mit 18 000 Euro vom Land bezuschusst, in einem unseligen Spannungsfeld. Nirgendwo sonst präsentieren sich Neonazis so offen wie im Nordosten Deutschlands; abzulesen nun auch an den Wählerzahlen.

Man kann, ja muss Breker trotzdem zeigen, selbst wenn die Ausstellung Beifall von der falschen Seite erhält. So schreibt die NPD Mecklenburg-Vorpommern auf ihrer Homepage: „Groß ist die Sehnsucht vieler Deutscher, abseits vom sonstigen Kulturmüll wieder Werke zu betrachten, die ein Ideal vermitteln.“ Darin läge eine Chance für die Ausstellung: die Breker’sche Verbindungslinie zwischen Kunst und Ideologie nachzuziehen. Das Haus präsentiert jedoch nur die Skulpturen aus dem Nachlass der Witwe und der BrekerKinder. Der mittlerweile mehrfach nachgedruckte Katalog vermag mit kritischer Auseinandersetzung kaum aufzuwarten, da die Familie bis heute Einsicht in die Dokumente des Bildhauers verwehrt.

Die Devise kann auch nach der Wahl nur lauten: Zeigt Breker, zeigt aber auch die Korrumpierbarkeit eines Künstlers, der mit seinen Kolossalfiguren die groteske, gefährliche Verzerrung eines Ideals verkörpert hat. Diese Erkenntnis wäre auch den rechtsextremen Wählern mit ihren sechs Landtagsabgeordneten zu wünschen – und das schnell.

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