Kultur : Brettspiel der Liebe

Marcus Brauns schneller Jugendroman „Hochzeitsvorbereitungen“

Ulrich Rüdenauer

Mit Hochzeitsvorbereitungen haben Marcus Brauns „Hochzeitsvorbereitungen“ wenig zu tun. Wenn hier vom Heiraten gesprochen wird, dann redet ein Gekränkter, der sich und seine Zukunft immer ein wenig falsch einschätzt. Brauns neuer Roman hat ebenfalls nicht allzu viel mit seinen beiden Vorgängern „Nadiana“ (2000) und „Delhi“ (1999) gemein. In seinem Debüt entfaltete der 1971 geborene und in Berlin lebende Autor ein komplexes Spiel um Wahn und Wirklichkeit, komponiert in Form einer Schachpartie. In „Hochzeitsvorbereitungen“ sind die poetischen Regeln eher so einfach gestrickt wie „Mensch ärgere dich nicht“.

Brauns aus der Adoleszenzphase ins Rollenfach des verkorksten Liebhabers überwechselnder Held hat in der deutschen Literatur und im deutschen Film der letzten Jahre einige Geistesverwandten, Frank Goosens Helmut etwa, Michael Ebmayers Tim oder auch Jochen Schmidts Schmitt. Bei Braun heißt der junge Mann Leon, und wir lernen ihn zu Schulzeiten in von Alkohol vernebeltem, aber doch glücklichem Zustande kennen: „Ich bin seit siebzehn Jahren Katholik, aber das ist meine erste Erscheinung.“

Sie heißt Lea und ist ganz aus Fleisch und Blut, sehr hübsch und die Tochter eines Winzers. Leon und Lea werden nicht nur des Wohlklangs wegen ein Paar. Dann aber wird es ernst: Die Zentralsterilisation eines Krankenhauses ruft, das Blut trieft und fließt nur so durch die Ausgussrohre. Als Zivildienstleistender gönnt sich Leon allerhand Eskapaden mit Frauen und anderen Rauschmitteln. Verwüstungen im Gefühlshaushalt sind die Folge.

Es ist ein mehr oder minder typischer Lebenslauf der jungen Liebe zwischen Ironie und juveniler Traurigkeit. Weder sprachlich noch inhaltlich passiert viel Unvorhersehbares. Charmant und zuweilen witzig kommt dieser Roman daher, aber auch belanglos. Man liest ihn durch und vergisst ihn wieder. Ein flottes Büchlein fürs jüngere Publikum, besser als Goosens platter Erstling „liegen lernen“, aber auch schlechter als Jochen Schmidts Entwicklungsroman „Müller haut uns raus“. Vielleicht waren die „Hochzeitsvorbereitungen“ für Marcus Braun eine Vorbereitung für eine Hochzeit des Schaffens.

Marcus Braun: Hochzeitsvorbereitungen. Roman. Berlin Verlag. 233 Seiten. 18 €.

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