Britische Musik in Berlin : Barenboim und Domkantorei spielen Edward Elgar

Britische Musik hat es schwer in deutschen Konzertsälen. Doch nun sind die Werke Edward Elgars gleich zwei mal in Berlin zu hören, durch Daniel Barenboim und die Domkantorei.

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Yefim Bronfman gemeinsam mit Daniel Barenboim in Berlin.
Yefim Bronfman (links) gemeinsam mit Daniel Barenboim in Berlin.Foto: dpa

Britische Musik hat es schwer in deutschen Konzertsälen. Dabei sind auch Edward Elgars Symphonien geprägt von romantischen Vorstellungen, wie sie vor allem an der Leipziger Musikhochschule entwickelt wurden und im 19. Jahrhundert in aller Welt als verbindlich galten. In seiner zweiten Symphonie geht er ähnliche Wege wie Gustav Mahler.

Mit „Selten, selten nahst du dich, Geist der Seligkeit“ stellt er ein Zitat des Dichters Percy Shelley voran, das auf den sehnsüchtigen Wunsch nach Erfüllung hinweist, der dieses Werk prägt. Immer wieder nimmt das Orchester Anlauf zu großem Jubel, nur um danach in noch tiefere Verzweiflung abzugleiten. Genauso schockiert und deprimiert war Elgar nach der Uraufführung in der halb leeren Queens Hall, aber heute gilt das Werk als eine der wichtigsten Symphonien des Königreichs.

Schon lange setzt Daniel Barenboim sich mit der Staatskapelle für die Werke Elgars ein. So ist es ihm ein Herzensanliegen, die zweite Symphonie mit Tschaikowskis erstem Klavierkonzert zu koppeln, in dem Yefim Bronfman brillieren wird. Am Samstag wagt sich die Domkantorei mit dem Oratorium „The Dream of Gerontius“ an ein weiteres Hauptwerk Elgars. Dessen katholische Mystik wirkt heute so überwältigend wie befremdlich. Allerdings enthielten Glaubenszweifel und Heilsgewissheit wohl auch bei der Uraufführung im Jahr 1900 schon eine Menge Autosuggestion. Leitmotivtechnik und musikalischer Aufwand verweisen auch hier auf deutsche Vorbilder. Wenn alles gut geht, dürfen wir zum Schluss die Herrlichkeit Gottes zumindest schon mal anhören.

Barenboim: Philharmonie, 28.10., 20 Uhr, 37-44 €, Konzerthaus Berlin, 29.10., 20 Uhr, 44-59 €; Domkantorei: Konzerthaus Berlin, Sa 26.10., 20 Uhr, 18-32 €

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