Britischer Aktionskünstler gestorben : The-Who-Gitarrist trauert um Gustav Metzger

Der britische Aktionskünstler Gustav Metzger ist im Alter von 90 Jahren gestorben. The-Who-Gitarrist Pete Townshend würdigt ihn als "wirkmächtigen" Künstler.

The-Who-Gitarrist Pete Townsend ist ein Fan von Gustav Metzger und seiner autodestruktiven Kunst.
The-Who-Gitarrist Pete Townsend ist ein Fan von Gustav Metzger und seiner autodestruktiven Kunst.Foto: Mike Wolff

Rockmusiker Pete Townshend trauert um den verstorbenen deutsch-britischen Künstler Gustav Metzger. In einer Würdigung schrieb der The Who-Gitarrist auf der Webseite der Rockband, Metzger habe ihn gelehrt, dass Kunst widerspiegeln solle, „wie wir die Welt zerstören“. Mit dem Gitarrenzertrümmern habe er dieses Konzept nur „beinahe“ erfasst. Metzger sei nie wütend oder gewalttätig gewesen, aber „sehr wirkmächtig“.

Das Gitarren-Zertrümmern gehörte lange zum Markenzeichen von Townshend. Wenn der letzte Song gespielt war, holte er weit aus und schlug sein Instrument in Stücke. Dass dahinter mehr als die Lust am Zerstören lag, wussten nur wenige. Townshend ließ sich von Metzger inspirieren, der in den 60er Jahren das Konzept der auto-destruktiven Kunst entwickelt hatte - Kunst, die sich selbst zerstört. Der aus Nürnberg stammende Metzger war kürzlich im Alter von 90 Jahren in London gestorben.

Lebensdauer seiner Werke "vier Monate bis zwanzig Jahre"

Der 1926 in Nürnberg geborene Schöpfer der auto-destruktiven Kunst - Kunst, die sich selbst zerstört - war als Kind aus einer orthodoxen jüdischen Familie 1939 auf der Flucht vor den Nazis mit einem Kindertransport nach London gelangt. Nach einer Ausbildung als Möbelschreiner besuchte er Bildhauerklassen und studierte Kunst an der Cambridge School of Art in London.

Die Gedanken, die seiner Kunst zugrunde lagen, fasste er in mehreren schriftlichen „Manifesten“ zusammen. In einem davon heißt es, auto-destruktive Kunst sei die „vollständige Einheit von Idee, Ort, Form, Farbe und Methode des zersetzenden Prozesses“. Die Lebensdauer seiner Werke gab er mit „vier Monate bis zwanzig Jahre“ an. Dementsprechend sind die meisten Kunstobjekte Metzgers nur noch auf Fotografien erhalten. Er gilt zudem als einer der wichtigsten Vertreter der Aktionskunst.

Erfahrung als Flüchtling prägend für sein künstlerisches Schaffen

Metzger engagierte sich seit den 60er Jahren gegen Nuklearwaffen und gegen die Zerstörung der Umwelt. Darauf spielten auch seine Werke an, die sich mal unter dem Einfluss von Säure auflösten, mal verrosteten. Er entwickelte Idee und Gestaltung eines Kunstwerks, überließ es dann aber sich selbst. In den 70er Jahren rief er gar zu einem Kunststreik auf. Kunsthistoriker halten sein Werk für richtungsweisend.

Metzgers Werke wurden weltweit in Ausstellungen gezeigt, er war bei der Biennale Venedig und der Documenta dabei und hat jüngere Künstler maßgeblich beeinflusst. Seine Erfahrungen als Flüchtling bezeichnete er später als prägend für sein künstlerisches Schaffen. Metzger lebte zuletzt allein und zurückgezogen in der britischen Hauptstadt. Er scheute die Öffentlichkeit, nicht einmal ein Telefon soll er gehabt haben, Briefe ließ er ungeöffnet. (dpa)

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