Kultur : Bronze im Park

Kontroverse Stimmen zur Schweriner Breker-Schau

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Der Streit um die Arno-Breker-Ausstellung, die am Freitag im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus eröffnet wird, lässt nicht nach. Nachdem 34 Künstler, Galeristen und Kunsthistoriker aus Mecklenburg-Vorpommern die Absage der seit 60 Jahren ersten großen Schau mit Werken von Hitlers Lieblingsbildhauer forderten, befürchtet auch Kornelia von Berswordt-Wallrabe, Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin, Breker werde „salonfähig“ gemacht. Sie hält dies für „äußerst fahrlässig“. Dagegen unterstützen Landespolitiker von SPD und Linkspartie die Ausstellung mit dem Titel „Zur Diskussion gestellt: Der Bildhauer Arno Breker“. Bildungsminister HansRobert Metelmann (parteilos) sieht darin eine „Chance, den Nationalsozialismus von seinem Mythos zu befreien“ und spricht von einem „inneren Klärungsprozess“. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Volker Schlotmann befürwortet die Auseinandersetzung mit Nazi-Kunst. Die Gefahr, dass die Ausstellung zu einer „Pilgerstätte von Neonazis“ wird, bestehe, ähnlich wie beim Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, immer.

Der Plakatkünstler Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste, erläutert wiederum im „Spiegel“-Gespräch, warum er seine für 2007 geplante Ausstellung im Schleswig-Holstein-Haus wegen der Breker-Schau zurückgezogen hat. Er bezweifle, so Staeck, dass „in diesem Haus eine kritische Aufarbeitung geleistet werden kann. Man ist von einem Sensationsbedürfnis getrieben.“ Brekers Kunst habe der kollektiven Gehirnwäsche gedient, eine Ausstellung stelle „immer eine Aufwertung“ dar.

Kurator Rudolf Conrades verteidigt das Vorhaben: „Wir sind als Demokraten vielleicht inzwischen reif, um uns (...) selbst ein Bild zu machen, statt uns von wohlmeinenden Autoritäten erzählen zu lassen, das wäre nicht gut für uns.“ Wenn es nicht jugendgefährdend sei, „dass man Hitler im Film in seinem Führerbunker zeigt oder Fliegerasse der Luftwaffe im Kampf, dann kann es erst recht keine sein, einen Bildhauer zu präsentieren.“ Auch gebe es Irritationen: In der bundesdeutschen Vergangenheit habe Breker immer als moralisch verwerflich und künstlerisch drittrangig gegolten, während Salvador Dalí ihn den größten Bildhauer des 20. Jahrhunderts nannte.

„Wenn man diesen Bronzefiguren in einem Park begegnen würde, würden sie kein Aufsehen erregen“, so Conrades. „Die Verbrechen der Nazis bestehen darin, dass sie Menschen ermordet haben, und nicht darin, dass sie einen bestimmten Kunstgeschmack hatten.“ ddp/Tsp

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