Kultur : Brooklyn

KATJA WINCKLER

Auf dem Schulhof tobt das Leben, so scheint es.Hart, fies und gemein: Verbotsschilder, Klassenkloppe und dann noch schnell die Hausaufgaben vor der Stunde abschreiben.Manchmal trifft man hier auch seine erste große Liebe.Von diesen Dingen erzählen die "Schulhofgeschichten - Ein Spektakel" im Kinder- und Jugendtheater carrousel (am 10., 11.und 12.Mai um 10 Uhr).Sechs Autoren haben dem schultäglichen Wahnsinn auf die Finger geschaut und ihn in zwölf Szenen für 11 bis 13jährige Zuschauer verpackt.Zwanzig Schauspieler und Musiker bringen das carrousel zum Beben - und das an vielen Orten: auf der Vorder- und Hinterbühne, auf Treppen, im Foyer und sogar im Container.Etwa "Willis Kastanie" von Günter Jankowiak.Ein Hinterhof wie im tiefsten Brooklyn bildet die Kulisse für das an die Courage appellierende Einpersonenstück.Auf den ersten Blick wirkt die Alte mit Strohhut - eindrucksvoll gespielt von Erika Sieger - etwas absonderlich, wenn sie von ihrem Kampf um die bedrohte Hinterhofkastanie erzählt.Erst im Laufe der Geschichte wird deutlich, was für ein besonderer Charakter sich hinter der Schrulle verbirgt, und daß die eigentliche Geschichte, um die es geht, Jahrzehnte zurückliegt: Als junges Mädchen hatte sie sich in ihren jüdischen Mitschüler verliebt - kurz danach begannen die Nazi-Pogrome.Bevor es auf der Hauptbühne weitergeht, gibt es, neben einer Foto-Ausstellung, schauspielernde und jammende Schüler zu sehen.Später in den mitreißenden, musicalartigen Szenen und Texten von "Mit mir nicht" besingen Minirock-Mädels und harte Jungs in College-Jacke, wo sie der (Turn-)Schuh drückt: Stoff dafür gibt es reichlich, denn nörgelnde Eltern, Leistungsdruck und schlechte Noten stehen auf dem Stundenplan.Das wirkt echt, nicht nur weil die Schauspieler ihre eigene Band sind.Auf dem Schulhof tobt eben das volle Leben.

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