Bruce Springsteen : Der große Tröster

Kernige Posen, nette Gesten, viele Hits: Bruce Springsteen und die E Street Band spielen eine fulminante dreistündige Rock-Show im ausverkauften Berliner Olympiastadion.

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Dynamisch und sympathisch. Bruce Springsteen bei seinem Berliner Auftritt. Foto: Clemens Bilan/dapd Foto: dapd
Dynamisch und sympathisch. Bruce Springsteen bei seinem Berliner Auftritt. Foto: Clemens Bilan/dapdFoto: dapd

Sportstadien sind Emotionsspeicher. Euphorie, Enttäuschung, Freude, Wut schreiben sich in die Zuschauerränge, das Spielfeld und die Katakomben ein. Wird eine Arena abgerissen, ist das schmerzhaft für alle, die darin gespielt, gezittert und gejubelt haben. Für Bruce Springsteen ist das Giants-Stadion in New Jersey so ein Ort. Mit der E Street Band ist er unzählige Male dort aufgetreten. Vor zwei Jahren wurde es abrissen, was ihn zu dem Song „Wrecking Ball“ inspiriert hat, dem Titelstück seines aktuellen Albums.

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Bruce Springsteen live im Olympiastadion
Der Boss gibt sich die Ehre. Bruce Springsteen spielte am Mittwochabend vor 58.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dapd
30.05.2012 23:32Der Boss gibt sich die Ehre. Bruce Springsteen spielte am Mittwochabend vor 58.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion.

Als er seine Klage im ausverkauften Berliner Olympiastadion anstimmt – zunächst nur von Hi-Hat und Klatschen begleitet – ist das ein erster kleiner Höhepunkt eines an Höhepunkten reichen Abends. Und man denkt kurz: Seltsam eigentlich, dass die Abrissbirne dieses von den Nazis errichtete Stadion nie erwischt hat. Heute bietet es eine perfekte Kulisse für den Boss und seine 15-köpfige Band. Die Bühne steht auf der Gegengeraden, wodurch die Hälfte der Sitzplätze leer bleibt. Dafür sind die Zuschauer im Innenraum näher am Geschehen. Nähe – genau darum geht es dem Mann aus New Jersey. Er macht Ansagen in sympathischem Holper-Deutsch, er kommt oft auf den kleinen vorgelagerten Laufsteg, schüttelt Hände, nimmt Plakate entgegen, tanzt mit einer Sanitäterin und lässt sich kurz auf Händen tragen. Diese Ausflüge wirken ausgesprochen herzlich und nicht so, als seien sie eine lästige Pflicht. Bei „Waitin’ on a Sunny Day“ holt Springsteen sogar ein Kind auf die Bühne, gibt ihm das Mikrofon und wuchtet es schließlich mit einem eleganten Ruck auf seine Schulter.

Der Sänger ist in beeindruckender Verfassung. Trotz seines großen Laufpensums scheint der 62-Jährige während der dreistündigen Show kein bisschen zu schwitzen. Er hat immer genug Luft und zeigt das volle Posenspektrum: breitbeiniges Akkord-Schrubben, Gitarrenhals-Hochreißen, Fäusteballen und Zum-Himmel-Zeigen. Seine Rolle ist und bleibt die des ehrlichen Rock-Arbeiters. Sie steht ihm gut und man nimmt sie ihm nach wie vor ab.

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