Kultur : Brückemuseum Berlin drohen weitere Verluste

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Mit der umstrittenen Restitution von Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßenszene“ (1913) an die Erben von Alfred und Thekla Hess hat das Berliner Brücke-Museum ein Hauptwerk verloren. Nun drohen weitere Verluste: Dieselbe amerikanische Anwaltskanzlei Rowland & Associates bemüht sich seit Januar 2005 um die Rückgabe weiterer Kirchner-Gemälde des Brücke-Museums aus ehemals jüdischem Besitz. Wie am Mittwoch bei einer vom Förderkreis des Museums veranstalteten Pressekonferenz bekannt wurde, handelt es sich um den „Rückenakt mit Spiegel und Mann“ (1912) sowie „Im Cafégarten“ (1914), beide aus der Sammlung Ludwig Fischer.

Auf einer Mitgliederversammlung am Dienstag hat der Förderkreis einstimmig beschlossen, wegen der aus seiner Sicht ungerechtfertigten Rückgabe an die Hess-Erben vom Berliner Abgeordnetenhaus einen Untersuchungsausschuss zu fordern. Ein unabhängiger Gutachter müsse vor der geplanten Versteigerung des Bildes am 8. November klären, ob die Rückgabe rechtswirksam sei. Gegen Kultursenator Thomas Flierl und seine Staatssekretärin Barbara Kisseler will der Förderkreis Strafanzeige wegen Verdachts der Untreue stellen. Außerdem solle Kisseler als Kuratoriumsvorsitzende der mit dem Museum eng verbundenen Schmidt- Rottluff-Stiftung zurücktreten.

Schon unmittelbar nach ihrem ersten Treffen mit der Hess-Erbin am 19. April 2005 habe Kisseler gegenüber dem Vorsitzenden des Museums-Förderkreises Lutz von Pufendorf und der Museumsdirektorin Magdalena M. Moeller ihren Entschluss formuliert, die „Straßenszene“ zurückzugeben. Damals hätten weder ein Rechtsgutachten vorgelegen noch ausreichende Recherchen zu den Umständen, unter denen sich Thekla Hess von dem Bild trennen musste. zaj

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