Kultur : Brückentechnik

Fazil Say mit den Bläsern des Konzerthausorchesters

Daniel Wixforth

Für die Idee mit Fazil Say darf sich Sebastian Nordmann schon mal auf die Schulter klopfen. Zu Beginn der laufenden Spielzeit hat der Intendant des Konzerthauses den türkischen Pianisten für ein Jahr als „Artist in Residence“ an den Gendarmenmarkt geholt, und bereits jetzt herrscht dort so etwas wie Say-Fieber. Draußen muss die Kasse ständig Kartennachfrager mit dem Hinweis abwimmeln, dass dieses Kammerkonzert seit Wochen ausverkauft sei und drinnen, im kleinen Saal, wird man später so etwas wie tiefe gegenseitige Zuneigung zwischen dem Konzerthauspublikum und Say spüren.

Hinzu kommt, dass der Türke an diesem Abend mit den Solo-Holzbläsern des Konzerthausorchesters Allianzen eingeht, die sich vor allem deswegen ins Gedächtnis einbrennen, weil sich Say nicht die Bohne dafür interessiert, wer hier Koch und wer Kellner ist. So etwa in Schumanns drei Romanzen für Oboe und Klavier, wenn er die Oboistin Michaela Kuntz auf Wattekissen trägt, wenn er ihren kantigen Ton mit schimmernden Klavierkaskaden umspült. Oder dann, wenn er Pirmin Grehl in César Francks Sonate für Flöte und Klavier zu eruptiven Gebärden anstachelt. Wie Grehl im Allegro die aufgewühlten Flötenthemen in den Saal katapultiert ist mitreißend und zugleich das Ergebnis provokativer Herausforderungen Fazil Says.

Das Programm des Abends funktioniert perfekt als musikgeschichtliche Brückentechnologie hin zur finalen Uraufführung des Bläserquintetts „Alevi dedeler raki masasinda“ von Fazil Say. So fasst Ralf Forster Francis Poulencs Sonate für Klarinette und Klavier als letzten, Tradition mit Moderne verbindenden Pfeiler auf, bevor die Bläser eine orientalische Konversation eingehen, die auf der Kombination rhythmisch vertrackter Minimotive aufbaut und eine polyphone Grundhaltung organisch mit kleinen Unisono-Einwüchsen verbindet. Mehr davon! Daniel Wixforth

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