Kultur : BSE: Prionen im Schafspelz - Warum nicht nur Rinder überwacht werden sollen

Adelheid Müller-Lissner

Auch die bei Schafen vorkommende Traberkrankheit "Scrapie" gehört wie BSE und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu den "Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien" - den übertragbaren Nervenkrankheiten. Sie führen zu den schwammähnlichen Veränderungen im Gehirn von Mensch oder Tier. Und auch Scrapie ist meldepflichtig. Seit 1963 wurde die Traberkrankheit in Deutschland nur bei neun Schafen gemeldet. Beim in Berlin ansässigen Robert-Koch-Institut (RKI) geht man aber davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. In England werden nach Auskunft des RKI jährlich 500 bis 600 Fälle bekannt. Reinhard Kurth, Direktor des Robert-Koch-Instituts, rief die zuständigen Landesbehörden deshalb auf, die Überwachung zu intensivieren.

Scrapie selbst ist nach derzeitigem Wissensstand zwar auf den Menschen nicht übertragbar. Für Michael Baier, Leiter der einschlägigen Arbeitsgruppe beim RKI, ist aber klar: "Infizierte Schafe haben in der Nahrungskette nichts zu suchen." Um sie zu identifizieren, kann der BSE-Schnelltest der Schweizer Firma Prionics verwendet werden. Beim RKI arbeitet man außerdem an der Entwicklung eines Tests, der infizierte Tiere schon früher identifiziert. Nach Auskunft des Aachener Mikrobiologen Roland Heynkes wurden an verschiedenen Universitäten weitere Verfahren entwickelt, mit denen Schafe auf Scrapie getestet werden können. Veterinärmediziner der Universität Utrecht färben etwa Gewebeproben aus den Rachenmandeln lebender Tiere an, um die charakteristisch verklumpten Prionen dort nachzuweisen.

Die Symptome von Scrapie und BSE sind ähnlich, Aufschluss gibt bisher nur ein aufwändiges Verfahren, bei dem der Umweg über die Maus genommen werden muss: Dafür wird Gehirnmasse von kranken Schafen in Mäusehirn gespritzt. Die Reaktionen, die sich dort zeigen, sind je nach Art der krankhaft veränderten Prionen verschieden, so dass eine Scrapie- von einer BSE-Infektion unterschieden werden kann. Einfachere Tests zur Unterscheidung der beiden Prionen-Krankheiten fehlen bisher, "da besteht Forschungsbedarf", konstatiert Baier.

Ob der "Rinderwahn" bei Schafen in der Natur vorkommt, ist noch unklar. Dass die Tiere gezielt über infiziertes Blut und Futter mit BSE angesteckt werden können, haben wissenschaftliche Studien inzwischen aber ergeben. Ob das in der Landwirtschaft geschehen ist, darüber gibt es nur Spekulationen.

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