Kultur : BSE: Sogar in Argentinien sinkt der Preis für Steaks

Anne Grüttner

Argentinische Landwirte betrachten das Auftreten von BSE in Europa mit Sorge. Denn die Furcht der europäischen Konsumenten vor der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit hat dazu geführt, dass der Fleischkonsum insgesamt zurückgegangen ist. Davon ist auch das argentinische Rindfleisch betroffen. Die Preise für erstklassiges argentinisches Fleisch sind seit dem Auftreten der neuesten BSE-Krise in Europa um 25 Prozent gesunken.

"Ein psychologisches Problem", meint der argentinische Landwirtschaftsberater Carlos Appel. "Argentinien muss sein Fleisch besser vermarkten." Denn im Pampaland ist BSE kein Thema. Die argentinischen Rinder werden noch immer hauptsächlich mit Gras gefüttert. Der Einsatz von Tiermehl war nie verbreitet und ist zudem schon vor Jahren gesetzlich verboten worden, als die ersten Fälle von BSE in Europa auftauchten. Die Grasfütterung ist in Argentinien angesichts der großen verfügbaren Flächen die effizienteste Methode in der Rinderzucht. Nur in den letzten Monaten vor der Schlachtung mästen einige Züchter ihre Tiere zusätzlich mit Soja- oder Maisprodukten.

Mit der Europäischen Union haben die Argentinier innerhalb der so genannten Hilton-Quote ein Kontingent von jährlich 28 000 Tonnen hochwertiges Rindfleisch, wofür sie Spitzenpreise von bis zu 9000 Dollar pro Tonne erzielen. Die Exporteure aus Argentinien erhalten dabei in der EU den gleichen subventionierten Preis wie die europäischen Fleischproduzenten. Innerhalb der EU importiert Deutschland das meiste argentinische Rindfleisch. Alles was über die Hilton-Quote hinausgeht, wird in der EU mit einem hohen Zollsatz zwischen 141 bis 304 Euro pro Tonne belegt, abhängig von der Fleischqualität.

Zwar hat die BSE-Krise den argentinischen Exporten bisher geschadet, doch "mittelfristig und mit Hilfe einer gezielten Vermarktungsstrategie könnte sich das Fleisch der grasgefütterten argentinischen Rinder gut positionieren", meint Esteban Berisso, Berater des argentinischen Staatssekretariats für Landwirtschaft.

Bisher wird nur ein Bruchteil des argentinischen Rindfleisches exportiert. 80 Prozent des Fleisches werden im Land selbst konsumiert. Argentinien hat einen Viehbestand von knapp 50 Millionen Rindern, etwa doppelt so viel Australien, der weltweit größte Exporteur von Rindfleisch. Der argentinische Weltmarktanteil beträgt mit 9,3 Prozent weniger als die Hälfte des australischen Anteils (21 Prozent). 1999 wurden 332 287 Tonnen Rindfleisch exportiert, 13,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Hälfte davon ging in die Europäische Union.

Doch seit vor einem halben Jahr die internationale Organisation für Tierkrankheiten in Paris Argentinien als frei von der Maul- und Klauenseuche erklärte, ist die Exportsteigerung vor allem nach Asien und in die Nafta-Länder oberstes Ziel der Fleischindustrie.

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